Arbeitsmarkt St. Pölten: Jugendliche als „Verlierer“. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass Junge besonders betroffen sind.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 30. Oktober 2020 (03:09)
Im Bezirk St. Pölten haben bis Oktober 889 Lehrlinge eine Lehre begonnen. Stichtag ist jedoch Ende Dezember, erst dann ist laut WKO ein Vergleich mit 2019 möglich.
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Während der ersten Corona-Welle stieg die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen in St. Pölten enorm: Im April hatten 1.035 Jugendliche in Stadt und Bezirk keinen Job, 113 Prozent mehr als 2019. Laut Arbeitsmarktservice St. Pölten lag die Jugendarbeitslosigkeit zu diesem Zeitpunkt bei „beachtlichen“ 11,7 Prozent. Seither sinken die Zahlen stetig. „Wir sind sehr optimistisch, dass dieser Trend anhalten wird und ein Hochfahren von Sicherheitsregeln dies nicht beeinflussen wird. Denn viele Betriebe, vor allem im technischen Bereich, melden eine gute Auftragslage“, sagt AMS-Leiter Thomas Pop noch Anfang September. Gleichzeitig gab es im September rund ein Fünftel mehr arbeitslose Jugendliche als im Vorjahr.

Zum Höhepunkt im August suchten 230 Jugendliche in Stadt und Bezirk eine Lehrstelle, 28,5 Prozent mehr als 2019. „Viele Jugendliche, welche eine Zusage bereits ‚in der Tasche‘ hatten, konnten aufgrund der Covid-19-Einschränkungen nicht mit der Lehre beginnen“, deutet Pop die Zahlen. Aus Perspektive der WKO wirkt sich Corona insgesamt allerdings weniger stark auf die Situation von Lehrlingen aus als befürchtet: Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Zahl mit knapp 17.000 Lehrlingen in Niederösterreich konstant. Die Zahl der Lehrbetriebe stieg leicht von 4.387 auf 4.409 (Stand Ende September).

Im Jugendzentrum Steppenwolf beobachtet Leiter Michael Hogl trotzdem eine wachsende Perspektivlosigkeit. „Wir haben oft mit Jugendlichen zu tun, die sich sowieso schon schwertun am Arbeitsmarkt. Für sie wird es jetzt noch schwieriger“, erzählt er. Aktuell seien viele in Kurzarbeit, hätten ihren Arbeitsplatz oder ihre Lehrstelle verloren oder kämpften bei der Suche. Aus seiner Sicht wird die Thematik andauern: „Für mich gehören Jugendliche zu den großen Verlierern der Krise.“