St. Pölten: Neue Regeln für rote Stadt. Stadtchef kritisiert Ampelschaltung. Mehr Auswirkungen hat aber neue Verordnung.

Von Max Steiner und Beate Steiner. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:59)
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Seit Montag ist die Stadt nun ein „roter“ Bezirk. Mit rund 20 weiteren Bezirken schaltete das Gremium die niederösterreichische Landeshauptstadt doch um. Im dritten Anlauf habe es man nun „geschafft“, kritisierte Bürgermeister Matthias Stadler gleich, nachdem die Entscheidung bekannt geworden war. Die Zahlen in der Stadt seien in den letzen 14 Tagen kontinuierlich gesunken, betonte er. „Die Cluster haben wir in Zaum.“ Am Montagabend lag die Zahl der aktuell Covid-positiv getesteten St. Pöltner bei 108. Zehn Fälle sind dazugekommen, 29 Menschen galten wieder als genesen. Bei den durchschnittlichen Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag St. Pölten mit 156,2 leicht besser als der Landesschnitt.

Stadler hält nichts von der Panikmache. „Wir werden aber natürlich alles daran setzen, weiterhin die Zahlen zu senken. Dabei ist jeder und jede Einzelne gefordert“, betonte der Stadtchef. Stadler plädiert dafür, mehr Ruhe in die Bevölkerung zu bringen, unter den wöchentlichen Spekulationen würde auch die Wirtschaft – insbesondere die Gastronomie – leiden.

Auswirkungen hatte die Rot-Schaltung etwa auf die Besuchsregeln im Universitätsklinikum. Diese sind nur noch bei Palliativpatienten, für Väter auf der Geburtshilfe und Eltern auf der Kinderstation möglich. Eine FFP2-Maske ist Pflicht.

„Regeln für Gastronomie nicht nachvollziehbar“

Mehr Folgen haben gerade für die Gastronomen die neu verordneten Corona-

Regeln. Die kommen für Georg Loichtl, Obmann des Vereins gastro.stp, zwar nicht überraschend, seien aber aus Sicht der Gastronomie nicht nachvollziehbar. „Mit diesen Maßnahmen erreichen die Politiker, dass die Leute nicht mehr in die Lokale gehen, sondern privat feiern. Das kann nicht Sinn der Sache sein.“ Für Loichtl ist nicht verständlich, „dass unser gesellschaftliches Leben stirbt“. Gut organisierte Veranstaltungen könnten auch jetzt durchgeführt werden, ist er überzeugt. „Wir haben die Konzepte.“ Was ihn als Caterer noch besonders schmerzt: „Ich habe viele gute Mitarbeiter. Das sind alles Aushilfen bei Veranstaltungen. Da sind viele dabei, die sich so ihr Studium finanzieren – die bekommen alle kein Geld, wenn es keine Veranstaltungen gibt.“

Für Hotelier Leo Graf sind die neuen Regeln „für die Gesundheit hoffentlich positiv, für die Wirtschaft allerdings eine Katastrophe“. Der Hotelier befürchtet, dass viele Kunden zuhause bleiben, weil nur mehr sechs Personen am Tisch sitzen dürfen: „Vier Paare gehen schnell mal gemeinsam essen – das geht sich nicht mehr aus.“ Graf hofft, dass sich die Covid-Lage in den nächsten Wochen entspannt, und er ist froh, dass die lokalen Politiker die Sperrstunde bei 1 Uhr belassen. „Da können auch die in Ruhe fertig essen, die um 20 Uhr kommen.“

Am Nationalfeiertag sammelten sich dann auch zahlreiche Menschen in St. Pölten, meist ohne Masken, um gegen die aktuelle Situation zu demonstrieren. Die Demonstration war jedoch nicht angemeldet. „Die Ermittlungen des Landesamts für Verfassungsschutz und des Stadtpolizeikommandos laufen. Wenn die Initiatoren ausgeforscht sind, werden diese nach dem Versammlungsgesetz angezeigt“, erklärt Polizeisprecher Johann Baumschlager. „Der Aufruf ist via Internet erfolgt. Derzeit gibt es noch keine Hinweise, wer dahintersteht“, so Roland Scherscher, Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz.