St. Pöltnerin entwickelte Container-Test für Briten. Firma der St. Pöltnerin Helene Steiner entwickelte in London mobile Infrastruktur für Corona-Tests, die bald in ganz Großbritannien zum Einsatz kommen soll.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 08. April 2020 (16:06)
Helene Steiner und PartnerThomas Meany in ihrem Labor im Westen von London.
opencell

Überfüllte Spitäler, rasant ansteigende Covid-19-Fallzahlen, geschlossene Pubs, ausgeräumte Supermärkte – der Ausnahmezustand ist mittlerweile auch in London der Alltag. Mittendrin im Kampf der Weltmetropole gegen das Virus ist die St. Pöltnerin Helene Steiner.

Der Ablauf eines Coronavirus-Tests an einem der Container, die bald an vielen Orten stehen sollen.
NOEN

Mit ihrer Firma Open Cell hat sie Möglichkeiten entwickelt, wie mit vorhandener Infrastruktur zigtausende Personen pro Tag dezentral in ganz Großbritannien auf das Coronavirus getestet werden können. In als Labore umgerüsteten Schiffscontainern, wie es sie bereits in der White City im Westen von London gibt. Das war auch bereits der BBC einen Bericht wert. Vom Wissenschaftsportal MedCity wurde ihre Firma Open Cell zur „Company of the Month“ gekürt.

„Mit Unterstützung von Robotern kann ein einziger Mitarbeiter in einem einzigen Labor 2.400 qPCR-Tests am Tag bewältigen“, erklärt Helene Steiner. In fünf Stunden liegt das Ergebnis vor. „Testen, testen, testen ist die Empfehlung der WHO, um gegen das Virus anzukämpfen und den Druck auf das Gesundheitssystem zu nehmen. Dieses hat in Großbritannien derzeit nicht einmal die Kapazität, um Menschen in der Gesundheitsvorsorge zu testen“, berichtet die seit sechs Jahren in England lebende Niederösterreicherin.

„Ein einziger Mitarbeiter kann 2.400 Tests am Tag bewältigen.“Helene Steiner

Derzeit plant Open Cell, Labor-Container in verschiedenen Teilen Londons aufzustellen. In diesen sollen zunächst Schlüsselarbeiter und Mitarbeiter von Gesundheitsdiensten täglich getestet werden.

Später sollen die Labore auch für Antikörper-Tests genutzt werden, um Menschen zu ermöglichen, wieder ihre Arbeit aufzunehmen. Letztendlich könnten die Labore auch für Virus-Tracking eingesetzt werden, um einen weiteren Ausbruch zu verhindern. „Wir sind in Gesprächen mit dem National Health Service und der Stadt London“, erzählt Steiner.

Sie ist überzeugt, dass in Großbritannien zu spät gehandelt wurde und jetzt von der Regierung zu viel versprochen wird – über 3.000 Menschen auf der Insel infizieren sich täglich, mehr als 600 sterben. Warum sie trotz der dramatischen Situation nicht nach Österreich zurückgekommen ist? „Ich habe es kurz überlegt. Aber ich habe hier meine Arbeit. Die Meetings, zu denen ich in Österreich eingeladen war, sind ja leider abgesagt worden. Ich hoff‘, sie werden nachgeholt.“