Die Innenstadt soll „Grüne Zone“ werden

Erstellt am 25. März 2013 | 00:00
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Präsentation / Bürger brachten sich bei Info-Abend ein: Anregungen sollen ins Konzept einfließen, Rohfassung im September fertig sein.
Von Mario Kern

ST. PÖLTEN / Zwei Jahrzehnte sei die Stadt mit ihrem bisherigen Generalverkehrskonzept gut gefahren, betonte Bürgermeister Matthias Stadler in der Fachhochschule. „Nun ist es aber notwendig, das Konzept auf neue Beine zu stellen.“ Beim Info-Abend zum neuen Verkehrsmodell der Stadt präsentierte das Ziviltechniker-Büro Rosinak & Partner erste Ideen und Schwerpunkte des Konzepts, das im September in der Rohfassung und im Oktober zur Gänze fertig sein und dem Gemeinderat vorgelegt werden soll.

Das neue Konzept bildet einen Handlungsrahmen für die Verkehrsmaßnahmen der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre: Darin finden sich vor allen Dingen die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sowie der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes. Zudem sollen gleichzeitig zur Verlagerung bestehender Verkehrsströme (durch die Kerntangente) andere Gebiete „beruhigt“ werden: Wenn etwa 60 Prozent der Autos, die zurzeit über die Wiener und Purkersdorfer Straße stadtein- und auswärts fahren, die Kerntangente Nord nutzen, soll die bisherige Route durch Busspuren und Fahrradwege für den Fließverkehr unattraktiver gemacht werden.

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Die starke Belastung der Nord-Süd-Achse durch die Landeshauptstadt (hier fahren täglich knapp 30.000 Autos) könnte durch einen Schnellbus entschärft werden. Auch sehen die Planer mehr Potenzial im Lup-Netz und grünes Licht für den Radverkehr, für den bestehende Radwege zu einem durchgängigen Netz zusammengeschlossen werden sollen. Im Domplatz erkennen die Ziviltechniker „aus fachlicher Sicht einen verkehrsfreien Platz“. Fußgängern soll mehr Platz eingeräumt werden, der öffentliche Raum soll durch eine Parkraumbewirtschaftung zurückgewonnen werden.

Bei der Info-Veranstaltung wurde nicht nur das halb fertige Konzept präsentiert, die anwesenden Bürger konnten auch ihre Anregungen einbringen: So sorgen sich einige St. Pöltner, dass der Netzausbau durch die Kerntangente mehr Verkehr in die Stadt bringt, andere wiederum fordern mehr Park & Ride-Plätze am Stadt-Rand. Der Lup solle höher vertaktet werden, die Linienführung bis in die Peripherie St. Pöltens dringen. Der Schnellbus, der die Menschen rasch nach Norden und Süden bringen könnte, wird generell befürwortet, zudem soll es mehr Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer (auch in den Stadtteilen) geben.

„Wir werden von den durchaus wertvollen Beiträgen manches einflechten können“, so Werner Rosinak, Geschäftsführer von Rosinak & Partner. Noch im April werden die Anregungen der St. Pöltner behandelt, danach Schwerpunkte und Maßnahmen konkretisiert.
 

Auf Seite 2 finden Sie Ideen aus dem Verkehrskonzept



Ideen aus dem Verkehrskonzept

• 2012 haben sich Stadt und Land zu einer vollständigen Überarbeitung des Generalverkehrskonzeptes (aus dem Jahr 1989) entschieden. Der Werkstattbericht von Rosinak & Partner (basierend auf einer 2012 durchgeführten Mobilitätserhebung) liegt vor, aufgrund dieser Daten erarbeitet das Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz ein Verkehrsmodell, das die Auswirkungen geplanter Maßnahmen veranschaulicht.

• Ergebnisse der Mobilitätserhebung: 35 bis 40 Prozent der Wege sind regelmäßige Wege, die Hälfte dieser Wege sind kürzer als drei Kilometer. 45 Prozent werden mit dem Auto (als Fahrer oder Beifahrer) absolviert. 28 Prozent der Befragten nutzen ihr Auto auch bei Wegen unter einem Kilometer, 43 Prozent bei Fahrten zwischen einem und zwei Kilometern.
m Pendler: Von den Pendlern nutzen 59 Prozent das Auto und 28 Prozent Öffis. 40 Prozent der Pendlerwege übersteigen 25 Kilometer, die Hälfte dieser Wegstrecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, kürzere Wege nur zu 15 Prozent.

• Fußgänger und Radfahrer: In der Wiener Straße, in der Linzer Straße und der Heßstraße, der Josefstraße sowie der Propst-Führer-Straße könnten Begegnungszonen installiert werden. Tempo-30-Zonen sollen forciert, ebenso Fahrradstraßen in der Johann-Gasser-Straße und am Spratzerner Kirchenweg angedacht werden.

• Durch eine Bevorrangung des Bussystems und eine zusätzliche Nord-Süd-Schnellbus-Verbindung können sich die Planer eine Reduktion des Pkw-Verkehrs um gut 15 Prozent vorstellen.