Studieren an der FH St. Pölten in der Krise. FH bleibt bis Juni im Fernbetrieb. Die NÖN hat mit Studierenden gesprochen.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 07. April 2020 (13:22)
Die Flure der FH St. Pölten sind leer: Aktuell büffeln die Studierenden zuhause. 
Peter Hackl-Lehner

Lehrende und Studierende haben sich „gut eingespielt“, findet Dina Grojer, Studentin im Master „Digital Marketing & Kommunikation“. Je nach Lehrperson wechsle das Tool, ansonsten habe sich ihr Stundenplan durch die Fernlehre nicht geändert.

„Know-how sowie Tools gab es bereits und die Lehrenden sind sehr bemüht“, erklärt Peter Hackl-Lehner, stellvertretender Vorsitzender der Fachhochschulvertretung (ÖH FH St. Pölten), die problemlose Umstellung. Schönreden dürfe man die Situation trotzdem nicht: „Das ist ein Einschnitt in die Qualität der Lehre“, findet er. Gerade eine Fachhochschule sei anwendungsorientiert. Inhalte wie das richtige Sichern von Scheinwerfern seien schwer per Fernlehre zu vermitteln.

„Know-how sowie Tools gab es bereits und die Lehrenden sind sehr bemüht“

Grojer wiederum ärgert sich über eine ersatzlos gestrichene Studienreise nach Irland. Außerdem ist der 24-Jährigen nicht klar, ob sie am Semesterende Online-Prüfungen oder Ersatzleistungen erwarten: „Das wird noch richtig spannend.“

Offene Fragen rund um zeitgerechte Abschlüsse bereiten Studierenden die größten Sorgen, weiß Hackl-Lehner von der ÖH. Gerade für Master- und Bachelorprüfungen würden nicht nur Räume, sondern auch Equipment benötigt. Es gebe zwar einige Ideen für Prüfungssituationen, aber die Regelungen des Bildungsministeriums müssten abgewartet werden. „Diese Unsicherheit trifft Studierende und FH zugleich“, stellt er klar.

Studierende helfen sich gegenseitig

Fehlendes Einkommen und Eltern, die zur Hochrisikogruppe gehören – bei Deniz Sengül rückt das Studium ohnehin in den Hintergrund. Beides belaste sie sehr. Vor diesem Hintergrund werde Stress wegen ihres Masterstudiums „Soziale Arbeit“ zur willkommenen Abwechslung.

Gerade jetzt erlebt die 25-Jährige einen starken Zusammenhalt unter Studierenden. Viele von ihnen seien durch Berufe im Sozialsektor, Ehrenämter oder Kinderbetreuung sehr eingebunden. Ob durch Nachsicht bei Gruppenarbeiten oder Korrekturlesen – wenn jemand nicht mit dem Arbeitspensum nachkomme, unterstütze man sich gegenseitig.

Sie sei traurig, dass sie ihre Studienkollegen nicht treffen kann, „aber wir kompensieren das mit ständigen Videokonferenzen“. Gemeinsam mit Peers4you hat die ÖH zudem einen Discord-Server aufgesetzt, um studentischen Austausch zu möglichen. Spieleabende und Kochrezepte sollen verhindern, dass Einzelne vereinsamen.