Ströbitzer & Wunderer: Neue Straßennamen für St. Pölten. Nach Einigung ehrt Stadt St. Pöltnerinnen und St. Pöltner gleichermaßen.

Von Max Steiner und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 16. Juli 2020 (12:54)
Nahe dem NÖ Pressehaus werden bald die Ströbitzerstraße sowie fünf weitere nach Männern und Frauen benannte Straßen entlangführen.
Straubinger

Nicht gleich beim ersten Anlauf, aber nun doch in Eintracht bereitete der Gemeinderat den Weg für die Benennung neuer Verkehrsflächen nach St. Pöltnern und St. Pöltnerinnen.

„Männer und Frauen haben gleichermaßen beigetragen, dass St. Pölten zur liebenswerten Stadt geworden ist.“SP-Stadträtin Renate Gamsjäger

In Straßennamen werde öffentlich gemacht, „was hier gelebte Politik ist. Männer und Frauen haben gleichermaßen beigetragen, dass St. Pölten zur liebenswerten Stadt geworden ist“, betont jetzt SP-Stadträtin Renate Gamsjäger und freut sich, dass die ÖVP die SPÖ-Frauen hier unterstützt habe.

Für VP-Gemeinderat Florian Krumböck schafft das jetzige System Sichtbarkeit. „Das ist die Grundlage jeglicher Gleichberechtigungsdiskussion. Eine Gleichstellung bei der Ehrung von Männern und Frauen ist ein kleiner Schritt.“ Schön findet Krumböck den Dank von Gamsjäger. Das zeige, dass das Thema kein linkes, rechtes, liberales oder konservatives Thema ist.

In Blickweite des NÖ Pressehauses wird es somit eine Ströbitzerstraße geben, benannt nach dem langjährigen NÖN-Chefredakteur Hans Ströbitzer. Die neue Straße zwischen Lackenbauer- und Laimgrubenstraße erinnert an den „bekennenden St. Pöltner, der das Werden der Landeshauptstadt von Beginn an erfolgreich begleitet hat“.

Wundererstraße in Gedenken an Prandtauer-Preisträgerin

Nach einer Frau, die die junge Landeshauptstadt kulturell stark geprägt hat, ist die westliche Parallelstraße benannt. Die neue Wundererstraße ist Mimi Wunderer gewidmet. Die Prandtauer-Preisträgerin war Gründerin der Bühne im Hof sowie Intendantin des Festspielhauses.

Verbunden werden die beiden Straßen von der Chmelstraße . Franz Chmel war Mundharmonikaweltmeister und ebenfalls Prandtauer-Preisträger.

Südlich der Chmelstraße wird die Spillerstraße an Ferdinand Spiller erinnern. Der Laienschauspieler legte nach dem Zweiten Weltkrieg als Leiter des Stadttheaters den Grundstein für den raschen Wiederaufbau. Knapp 100 Jahre davor leitete Charlotte Freifrau von Grafenreuth als erste Frau die Geschicke des Stadttheaters und heutigen Landestheaters.

Nach ihr wird der Grafenreuth-Platz am östlichen Ende der Spillerstraße benannt. Zwischen Spiller- und Laimgrubenstraße entsteht die Katschinkastraße . Die St. Pöltnerin Hedwig Katschinka hat 1926 als erste Doktorin der Technischen Wissenschaften ihr Studium an der TU Graz abgeschlossen.

In Weitern werden weitere Straßen an eine Frau und einen Mann mit nachhaltiger Wirkung erinnern. Die Brodbeckstraße entlang des Weiternbachs von der L 5118 Richtung Süden wird nach Emma Brodbeck benannt. Die Kalcherpreis- und Ehrenzeichenträgerin hatte sich ein Leben lang sozial engagiert, bei Kinderfreunden, ASBÖ, Volkshilfe und „Essen auf Rädern“. Westlich davon wird die Hahnemannstraße liegen, benannt nach dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie.