Mit 75 Führerschein zurückgelegt: Widerruf unmöglich. 75-Jährige hat keine Lenkberechtigung mehr. Es scheiterte laut ihr am Geld für die nötigen Untersuchungen und an mangelnder Information.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 25. Februar 2021 (07:02)
Den Führerschein habe er in Ungarn gemacht, behauptete der Angeklagte bei einem Prozess in St. Pölten.
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Traurig ist Sonja Berndl. Die 75-Jährige hat seit kurzem keinen Führerschein mehr. Sie hat ihn zurückgelegt, der Folgen war sie sich aber nicht bewusst, denn dieser Entscheid ist unwiderruflich.

Der St. Pöltnerin wurde die Geldbörse samt Lenkberechtigung entwendet. Sie erstattete Anzeige und suchte beim Verkehrsamt der Landespolizeidirektion um einen neues Dokument an. Kurz darauf hätte sie eine Aufforderung zur amtsärztlichen Untersuchung erhalten. „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“, ist sie noch immer verwundert, warum sie zu einer Überprüfung sollte.

Diese erfolge laut Führerscheingesetz immer dann, wenn es augenscheinlich Bedenken an einer Ausstellung der Lenkberechtigung gebe. „Ziel der Untersuchung ist es, den Gesundheitszustand des Antragstellers festzustellen“, heißt es aus dem Verkehrsamt auf NÖN-Anfrage.

Die Dame hätte die Untersuchung wahrgenommen, aber noch weitere Befunde von Ärzten vorlegen müssen, die ihr die Fahrtauglichkeit bescheinigen. Diese hätte die Pensionistin aber nicht erbracht und dann freiwillig auf die Lenkberechtigung verzichtet. Und der Entscheid ist dann endgültig und nicht widerrufbar.

Und genau das wusste Sonja Berndl nicht, wie sie beteuert. Sie hätte darüber keine Information gehabt und dann eben voreilig darauf verzichtet. „So geht man nicht mit Alten um“, meint sie. Die zusätzlichen medizinischen Befunde, die sie erbringen hätte müssen, hätten sie 300 Euro gekostet. „Ich bin Mindestrentnerin. Das hätte ich mir nicht leisten können“, bedauert sie.

25 Jahre sei sie mit einem Tauschmarkt selbstständig gewesen, der letzte Unfall, in den sie involviert war, ereignete sich im Jahr 1976. Sie sei fahrtauglich und auf das Auto angewiesen, meint sie. „Ich mache sowieso nur die notwendigsten Fahrten, wie zum Hausarzt oder zur Bank“, merkt sie dazu an.

Dass Berndl jetzt nicht mehr selber zu ihren Enkerln fahren kann, tut ihr weh. „Jetzt sitze ich eben zu Hause. Wenn ich an Orte muss, die öffentlich nicht erreichbar sind, bin ich darauf angewiesen, dass mich wer fährt. Es war mein Fehler, auf die Lenkberechtigung zu verzichten“, weiß sie jetzt. Doch das hilft ihr nichts: Der Führerschein ist weg. Vorschrift ist eben Vorschrift!