St. Pölten

Erstellt am 17. August 2018, 10:33

von Mario Kern

Frequency-Tag 1: Hip Hop, Rock und große Töne. Fette Beats und zwischendurch ein rockiger Tritt aufs Gaspedal bestimmten den ersten Tag des viertägigen Frequency-Festivals. Mit schrägen Antworten von Die Antwoord und einem beseelten Tagesabschluss von den Gorillaz.

Einen geradezu ätherischen, verträumten Einstieg in den ersten Festivaltag lieferte Tom Walker mit „Leave a light on“. Nach der Pop-Perle des britischen Sängers ging es auf der abermals um Deko-Elemente erweiterten Space Stage etwas beatlastiger zu: Das französische Produzenten-Duo Ofenbach lieferte Elektropop und Deep-House, inklusive ihrer Hits „Katchi“ und „Be Mine“.

Hip Hop, Funk und Hardcore: Vielfalt auf der Bühne

Mit Hip Hop startete währenddessen die rundum erneuerte Green Stage ihren musikalischen „Betrieb“: Rapperin Noname machte ihrem Ruf als Sprach- und Reimkünstlerin ihre Ehre, ihre Londoner „Kollegin“ Little Simz zeigte mit beachtlichen Rap-Skills, warum sie nicht nur in Hip-Hop-Kreisen gefeiert wird.

Deftigen Hardcore gab es danach auf der Space Stage zu hören: Mit sympathischen Ansagen und groovigen Songs sorgten Beartooth rund um Sänger Caleb Shomo zum ersten Mal für Bewegung vor der Bühne. Eine gefällige Mischung aus Hip Hop und Funk mit originellen Texten servierte das deutsche Quintett Käptn Peng und die Tentakel von Delphi. Das besondere an der Band, die auch im Frequency-Publikum über eine beachtliche Anhängerschar verfügt: ihr Hip Hop kommt nicht vom Plattenteller oder aus dem Laptop, sie „produzieren“ mit Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass und Perkussion ihre Klänge, Rhythmen und Melodien selbst.

Ein weiteres Highlight kam im Anschluss als Kleeblatt-grüne Antwort auf die Frage, ob der Punk bereits tot ist: Mit einem lauten und energischen „Nein“ lieferten die Dropkick Murphys aus Boston den Beweis, dass das Musik-Genre noch äußert lebendig ist und sich im folkigen Gewand mit irischen Klängen äußerst frisch hält.

Nach dem Intro, der irischen Ballade „The Foggy Dew“, stürmten die Punkrocker rund um das charismatische Sänger-Duo Al Barr und Ken Casey auf die Bühne und wurde lauthals vom mittlerweile auf beachtliche Größe herangewachsenen Publikum begrüßt. Mit Songs wie „The boys are back“, „First class loser“ und „I’m shipping up to Boston“ hatten sie ihre glückliche Fanschar fest im Griff.

Handys leuchteten Yung Hurn entgegen

Austro-Rapper Yung Hurn, der im Vorjahr noch im VAZ-Inneren tönte, hat es in diesem Jahr zu einem beachtlichen Slot auf der Green Stage geschafft. Abends zeigte der als „Dada-Rapper“ bezeichnete Wiener, warum er im Social-Media-Zeitalter so zelebriert wird: Mit seiner mehrköpfigen, filmenden und auf der Bühne abhängenden Entourage spielte er abermals mit der Rezeption von Musik und der Reproduktion und Filterung auf Videos, auf Smartphone-Bildschirmen und Instagram-Accounts. Kaum ein Handy, das nicht im medialen Reigentanz dem präsenten Rapper entgegenleuchtete.

Mit den Auswüchsen der Party- und Konsumgesellschaft beschäftigt sich auch das Hip-Hop-Kollektiv Trailerpark. Deren Rapper Alligatoah, Timi Hendrix, Sudden und Basti DNP rotzten auf der Bühne über Jugend-Sünden, Drogen und Medienkonsum. Deutlich seriöser ging es dann bei Bastille zu: Die britische Indie-Rockgruppe zeigten als Headliner der Green Stage, warum sie in den britischen, aber auch den deutschen Charts, ganz vorne landen.

In Richtung großes Tagesfinale ging es derweil auf der Space Stage, wo länger als geplant an den Suburb-Aufbauten auf der Bühne gearbeitet wurde. In diesem Bühnenbild mit Wellblech und Graffiti sorgten Die Antwoord aus Südafrika für Entzücken bei ihren zahlreichen Fans. Mit markigen Botschaften und seiner Hand meistens im Schritt, heizte Rapper Ninja den Massen ein. Gemeinsam mit Bühnenpartnerin Yolandi Visser sorgte er für schräge Momente, rappte zu Rave-Beats und Hip-Hop-Grooves, begleitet von Vissers piepsiger Stimme. Das Publikum dankte dem unvergleichbaren Duo für ihre Bühnen-Präsenz und Hits wie „Pitbull Terrier“, „Fatty Boom Boom“ und „I Fink U Freeky“.

Gorillaz mit Damon Albarn beeindruckten

Das bisherige Festival-Highlight waren dann aber unbestritten die Gorillaz, die mit neuen, souligeren Songs und flächigeren Sounds wie etwa vom neuen Album „The Now Now“ aufwarteten, aber auch ganz große Hymnen wie „Tomorrow comes today“ und „Feel good Inc.“.

Die erfolgreiche britische Gruppe rund um den charismatischen Sänger Damon Albarn beeindruckte mit einer gelungenen Mischung Soul, Pop und Hip Hop und sorgten für beste Stimmung am angefüllten Platz vor der Space Stage, auf deren übergroßen Screens auch die heimlichen, virtuellen Stars der Band auftauchten: die von Jamie Hewlett gezeichneten Comic-Figuren, die „eigentlichen“ Gorillaz.

„Zünder“ waren Songs wie „Kids with guns“ vom zweiten Gorillaz-Album „Demon Days“. Nicht einmal die falsche geographische Zuordnung des Festivals von Sänger Albarn („Vienna, make some noise“) konnte den Konzert-Genuss trüben. Und zum großen Abschluss gab es noch den Band-Überhit „Clint Eastwood“, den gefühlt das gesamte Publikum mitsang.