Studium nur noch mit Mindestleistung. Die Regierung plant Änderung der Studienbedingungen. Diskussionen gehen für FH St. Pölten-Geschäftsführer an Problemen vorbei.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 02. Dezember 2020 (03:09)
FH-Geschäftsführer Hannes Raffaseder
Kraus

Egal ob Vorlesung, Praktikum oder Seminar – mit jeder Leistung sammeln Studierende ECTS-Punkte. Wenn es nach der Regierung geht, sollen sie künftig mindestens 24 ECTS-Punkte pro Studium in zwei Jahren erreichen. Sonst droht die Exmatrikulation.

„Das benachteiligt jeden, der arbeiten muss oder Familie hat“, kritisiert Moritz Wildburger. Der junge Mann mit St. Pöltner Wurzeln studiert an einer Kunsthochschule und an der Hauptuniversität in Wien. Bei Studienbeginn mache ohnehin das Finanzamt Druck, das wegen der Familienbeihilfe Anforderungen stellt. Außerdem fehle die Einheitlichkeit bei der Punktevergabe: „Auf eine leichte Prüfung habe ich fünf ECTS bekommen und nur zwei für eine Übung, wo sehr viel verlangt wurde.“

Lukas Kroisenbrunner von der ÖH FH
Carola Berger

Die Diskussionen über Mindestleistungen findet FH-Geschäftsführer Hannes Raffaseder „seltsam“. Seiner Meinung nach führen die Maßnahmen an den eigentlichen Herausforderungen des Hochschulwesens vorbei. Drängender wären Debatten über Studienbedingungen, etwa über Distance Learning oder die Konzeption von Studiengängen.

Allerdings absolvieren FH-Studierende ohnehin 30 ECTS pro Semester, ansonsten müssen sie ein Jahr wiederholen. Außerdem gilt für sie eine andere Gesetzesgrundlage. „Auf uns hat die Novelle keine Auswirkung“, erzählt Lukas Kroisenbrunner von der ÖH FH. Ihnen sei lediglich wichtig, dass eine Studienunterbrechung möglich ist, etwa wegen gesundheitlichen Gründen, Schwangerschaft oder pflegebedürftigen Angehörigen.