St. Pölten

Erstellt am 11. Juli 2018, 04:24

von Lisa Röhrer

Frauenzentrum St. Pölten: „Fortbestand ist gefährdet“. Frauenzentrum kämpft wegen Sparmaßnahmen ums Überleben. Auch Caritas ist besorgt.

Im Frauenzentrum in der Linzer Straße werden Frauen und Mädchen unterstützt. Die Kürzung der Förderung stellt die Einrichtung vor große Probleme.  |  NOEN, Lisa Röhrer

Monatelang zitterten die Mitarbeiter des Frauenzentrums. Lange war nicht klar, inwieweit die Einrichtung weiter gefördert wird. „Seit ein paar Tagen haben wir die Kürzung schwarz auf weiß“, erzählt Leiterin Ada Pochmann. Überwiesen worden war schon zuvor ein geringerer Betrag. „Wir bekommen das Geld jedes Jahr in vier Tranchen. Die erste war normal, die zweite schon weniger“, berichtet Pochmann.

Das Frauenzentrum kämpft deshalb ums Überleben: „Die
finanzielle Situation war ohnehin prekär, jetzt ist es noch schwieriger“, ist Pochmann verzweifelt. Momentan sind zwei Mitarbeiterinnen in der Einrichtung beschäftigt. Sie unterstützen Frauen in Krisensituationen, setzen sich für Chancengleichheit ein und stärken die Eigenverantwortung von Frauen und Mädchen. „Die Beratungen werden mehr, eigentlich bräuchten wir dringend Verstärkung“, erzählt Pochmann. Die geplante personelle Aufstockung ist durch die Kürzung jedoch nicht möglich. „Momentan können wir mit Ach und Krach weitermachen. Bei weiteren Einsparungen ist aber nicht sicher, ob wir die Einrichtung überhaupt halten können“, ist Pochmann besorgt.

Das Familienministerium erklärt, dass es aufgrund der Budgetkonsoldierungen in der Familiensektion, aus der die Einrichtung eine Förderung bekommt, zu „geringfügigen Einsparungen“ kommt. „Seitens des Ressorts wird jedoch versucht, den Beratungsstellen andere frei werdende Mittel zur Verfügung zu stellen. Damit sollte ein Teil der Kürzungen abgefangen und die wertvolle Arbeit weitergeführt werden können“, heißt es aus dem Büro von Bundesministerin Juliane Bogner-Strauß.

„Hängen in der Luft und können nicht planen“

Besorgt sind auch andere Einrichtungen, darunter die St. Pöltner Caritas-Familienberatungsstelle „Rat und Hilfe“. „Wir haben die Kürzung im Quartal schon gemerkt und gehen von zehn Prozent weniger Förderung aus“, berichtet Christoph Riedl-Daser. Einen schriftlichen Bescheid gebe es dazu aber noch nicht. „Wir hängen also in der Luft und können nicht weiter planen“, meint der Caritas-Sprecher. Bleibe es bei den Einsparungen, träfen jene, so Riedl-Daser, die Falschen: „Kleine Probleme werden, wenn Hilfe fehlt, größer. Im Endeffekt entstehen somit nur Mehrkosten für die Gesellschaft.“

Die Familienberatungsstellen im ganzen Land wehren sich mit einem offenen Brief. Diesen haben sie an den Bundespräsidenten, -Kanzler und weitere hochrangige Politiker geschickt.