Fordernde Suche nach Gastro-Personal in St. Pölten. Die Gäste sind da, die Registrierung ist Routine. Groß sind aber die Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:00)
Leo Graf
Strahlende Gesichter im Gasthaus, Wirte können wieder Wirte sein: Bei Leo Graf (Mitte) können Anton Waxenegger, Erich Dürauer und Peter Speiser mit Sohnemann Lukas (von links) Wirtshaus-Kultur genießen.
Lobinger

Die Bereitschaft, in der Gastro zu arbeiten, scheint mit dem kindlichen Verlangen nach Spinat vergleichbar: „Wir haben das Gefühl, dass ein Job in der Gastronomie noch unattraktiver als vor der Krise geworden ist“, beschreibt Klaus Sassmann die Schwierigkeit, Mitarbeiter zu finden.

Und das Hotel Seeland sucht, Leute für Service und Küche bräuchte man hier dringend, mit der Kundenfrequenz ist Familie Sassmann hingegen sehr zufrieden. Der Personalmangel hat auch das Vinzenz Pauli schon hart getroffen, gleich bei der Wiedereröffnung: „Uns fehlten zu Beginn vier Servicemitarbeiter“, so Geschäftsführer Maurice Harant. Ein paar Exmitarbeiter hätten nach deren eigentlichen 40-Stunden-Jobs das Vinzenz Pauli unterstützt, „ansonsten hätten wir das Lokal nicht öffnen können, mittlerweile sind alle Positionen besetzt“, zeigt sich Harant dankbar.

Hotelier Leo Graf hat ein stabiles Team und alle waren in Kurzarbeit, sein Haar in der Suppe: „Die Kundenfrequenz steigt erst langsam wieder, Homeoffice ist leider noch sehr verbreitet, daher empfangen wir weniger Gäste beim Mittagessen.“ Das Registrieren sei Routine, die Gäste würden sich meist ohne Aufforderung ausweisen. „Wir mussten erst einmal einen Selbsttest anbieten“, so Graf. Im Vinzenz Pauli freut man sich diesbezüglich über die vorbildlichen Gäste und auch im Hotel Seeland werden die Regeln respektiert: „Natürlich ist es aufwendig, die 3Gs zu überprüfen, wenn viel los ist, aber es gibt einem selbst und auch den Gästen Sicherheit.“ Das Feedback dazu sei durchwegs positiv. „Die Registrierungspflicht ist normal geworden, bei uns altmodisch mit Stift und Papier, nicht mit QR-Code, denn so ist es für uns viel einfacher zu überprüfen, ob die Gäste sich auch wirklich eintragen“, sagt Klaus Sassmann.

Veranstaltungen sind Geschmackssache

Unterschiedlich werde mit dem Thema Veranstaltungen und Feste umgegangen, Vorsicht und die Tendenz zu kleineren Gruppen seien erkennbar. Familienfeste und Seminare könnten stattfinden, sagt Klaus Sassmann, aber: „Wir hoffen, dass die Delta-Variante nicht dazwischengrätscht.“ Im Seeland sei ein starker Trend zu kleineren Feiern, egal ob Hochzeit oder Geburtstag, spürbar: „Die Gäste sind vorsichtig und möchten im kleinen Rahmen feiern.“ Im großen Stil wäre das Frequency über die Bühne gegangen, die Absage des Festivals schmerzt Hotelier Leo Graf: „Das betrifft mich natürlich sehr. Damit sind rund 200 Nächtigungen weg.“ Dennoch war für ihn die Absage richtig: „Gesundheit geht vor.“

Mit Impfpflicht sind Wirte nicht d‘accord

Im Vinzenz Pauli habe man damit gerechnet, dass die Pandemie noch nicht überstanden sei, für dieses Jahr seien vorerst keine größeren Veranstaltungen geplant, so Maurice Harant. Festivitäten quasi fermentiert und später genossen. Aber wann?

„Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt, sind positiv eingestellt und hoffen, dass wir auch im Herbst offen halten dürfen, denn ein erneuter Lockdown hätte fatale Folgen“, bringt Klaus Sassmann die Situation auf den Punkt.

In Hinblick darauf sehen die Gastronomen die Forderung ihres Spartenobmannes Mario Pulker skeptisch, mit einer Impfpflicht sind sie nicht d‘accord: „Das finden wir äußerst bedenklich, es ist der falsche Ansatz. Ob sich jemand impfen lassen möchte oder nicht, ist jedem seine eigene Entscheidung“, sagt Maurice Harant.

Nur geimpften Personen den Einlass in die Gastronomie zu gewähren, erleichterte nichts und verbessere auch die Pandemielage nicht. „Was uns tatsächlich helfen würde, um die 3G-Kontrollen zu beschleunigen und übersichtlicher zu gestalten, wäre eine Optimierung des Grünen Passes. Digitaler Ausweis mit QR-Code und ein einfaches Kennzeichen, ob die 3Gs erfüllt sind.“ Denn es sei unerheblich, um welches der 3Gs es sich handle, und dies sollte in der App auch nicht angezeigt werden. Man grabe sich durch Impfungen und Tests, um den richtigen Nachweis zu finden, bitte um Ausweise, dazu kämen analoge Varianten mit Unmengen an unterschiedlichen Layouts für Tests, Impfungen oder Absonderungsbescheide, und das noch dazu aus verschiedenen Ländern: „Da wir im Moment wissen, dass auch genesene und geimpfte Personen sich anstecken und das Virus verbreiten können, würde ich sogar eher zu einer Testpflicht in der Gastronomie tendieren“, erklärt Harant.

„Was uns tatsächlich helfen würde, um die 3G-Kontrollen zu beschleunigen und übersichtlicher zu gestalten, wäre eine Optimierung des Grünen Passes"

Auch Familie Sassmann erteilt der Impfpflicht eine klare Absage: „Wir leben in einer Demokratie, jeder Mensch soll die freie Wahl haben.“ Leo Graf sieht eine Impfpflicht als nicht durchführbar und setzt auf die Vernunft der Gäste und Freiwilligkeit: „Dies ist die einzige Möglichkeit, es in den Griff zu bekommen.“

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