Burschen drohten Mädchen: „Das ist nicht euer Leben“

Erstellt am 26. August 2021 | 04:18
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Landesgericht Kreisgericht St. Pölten
Schauplatz des Prozesses: Im Landesgericht St. Pölten saßen die Jugendlichen auf der Anklagebank.
Foto: NOEN, http://www.justiz.gv.at/
17-jähriger St. Pöltner und zwei seiner Freunde drohten einem Mädchen und schlugen ihren Freund. Angebliches Motiv: Eifersucht.

Anfang Juli beim Bahnhof: Ein 16-Jähriger sitzt mit einem Freund auf einer Bank, plötzlich kommen drei Burschen auf sie zu. Einer reißt ihm das Handy aus der Hand und durchsucht den Chatverlauf.

Er wird fündig: Der 16-Jährige hat Kontakt zu einem Mädchen, mit dem der andere selbst gerne zusammen wäre. Er fordert den Rivalen auf, mit in eine Seitengasse zu kommen, dort schlägt er ihm die Nase blutig. Die anderen beiden schauen zu.

Im Anschluss Mädchen mitten in der Stadt bedroht

Dann marschiert er auf besagtes Mädchen zu, das gerade mit einer Freundin in der Stadt spazieren geht. Die 16-Jährige kennt ihn nur vom Sehen. „Bist das du?“, soll er sie angeschrien und ihr das fremde Handy mit dem Chat unter die Nase gehalten haben.

„Bist du keine Tschetschenin?“, soll einer seiner Freunde noch zu ihr gesagt haben. „Versprich mir, dass du nie wieder mit anderen Landsmännern schreibst. Wenn doch, wirst du sehen“, soll der Erste noch nachgesetzt haben — auch „Das ist nicht euer Leben“ und „Ich muss die Ehre schützen“.

Einen Monat nicht aus dem Haus getraut

Die Mutter und Schwester gingen daraufhin mit der 16-Jährigen zur Polizei. Als die Schwester draußen wartete, kam die Gruppe auf sie zu. Einer drohte ihr Konsequenzen an, wenn sie die Anzeige gegen seinen Freund nicht zurückziehe. Das gab er vor Gericht zu.

Denn die drei angriffslustigen St. Pöltner Jugendlichen, 17, 18 und 19 Jahre alt, saßen nun wegen der Vorfälle auf der Anklagebank wegen schwerer Nötigung und schwerer Körperverletzung. „Ich habe mich einen Monat lang nicht rausgetraut“, sagte das Mädchen. Ihre Version war glaubwürdig für den Richter.

Der Erstangeklagte gab vieles zu. Der Zweitangeklagte war zwar überall dabei, die Beweise reichten aber nicht für eine Beteiligungshandlung, so der Richter, und er sprach ihn deshalb im Zweifel von einigen Vorwürfen frei. Er bekam einen „Ausspruch der Schuld“, eine Strafe gibt es aber erst, falls innerhalb der nächsten drei Jahre wieder etwas passiert.

Der Erstangeklagte erhielt zehn Monate Haft, davon acht bedingt. Weil er bereits in U-Haft saß, wurde er nach der Verhandlung entlassen. Diversion bekam der Drittangeklagte. Er muss 50 Sozialstunden leisten. Alle müssen dem Mädchen 50 Euro für die psychische Belastung zahlen. Die Burschen erhalten ein Kontaktverbot.