St. Pöltnerin in See-„Krieg“ zwischen den Fronten. Helene Steiner bangte um wichtige Güter für Corona-Tests, als französische Fischer den Hafen der Kananlinsel blockierten.

Von Max Steiner. Update am 09. Mai 2021 (11:07)

Eine Flotte französischer Fischer blockieren den Hafen der Kanalinsel Jersey, das Vereinigte Königreich schickt die Marine, der französische Präsident droht, die Insel von der Stromversorgung  abzuschneiden. Sehr reale Folgen des Brexits waren in den vergangenen Tagen im Ärmelkanal zu sehen, Spannungen zwischen Franzosen im Wahlkampf und den Briten als Schutzmacht der Kanalinseln im Besitz der Krone neu entfacht. Mittendrin in dem Scharmützel, bei dem britische Medien bereits die Schlacht von Trafalgar wieder in Erinnerung riefen, steht die gebürtige St. Pöltnerin Helene Steiner.

Medizingüter lagen auf Eis

Mit ihrem Unternehmen organisiert sie seit dem Vorjahr die Corona-Tests aller Neuankömmlinge auf der Insel. „Die Lage ist schwierig, weil Menschen und dringend benötigte Güter auch in der Pandemie meist auf dem Seeweg auf die Insel gelangen“, berichtet sie aus London, wohin sie erst vor wenigen Tagen zurückgereist ist.

Thomas Meany und Helene Steiner in einem ihrer Test-Container.
OpenCell.bio

Bald ist eigentlich wieder ihre Anwesenheit auf die Insel erforderlich. Steiners irischer Partner Thomas Meany richtete via Twitter einen Appell an die französische Regierung, die „illegale Blockade zu beenden“, die Versorgung mit tiefgekühltem medizinischem Nachschub werde sonst inmitten einer Pandemie gestört. Sein Video von der französischen Flottille ging um die Welt und war auch in der ZIB zu sehen.

Mittlerweile dürften sich die Wogen für den Moment etwas geglättet haben. Die französischen Fischer sind besorgt wegen ihrer Fischerei-Rechte um die Insel, die nahe an den Küsten von Normandie und Bretagne liegt. Die Lizenzen waren nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs neu vergeben worden, die Franzosen sehen sich benachteiligt. Premierminister Boris Johnson twitterte, dass‚ die Situation in Jersey gelöst sei. Er bekräftigt aber auch, dass das Königreich immer resolut zu den Menschen auf Jersey stehen werde und dankte der Navy für das schnelle Eingreifen.

Suche nach Positiv-Proben

Helene Steiner hofft nun, dass sie bald wieder zurückkehren und normal arbeiten kann auf der Insel, die nur knapp größer ist als die Stadt St. Pölten und etwa 100.000 Einwohner beherbergt. Derweil ist sie damit beschäftigt, auch in London Labor-Container zu managen, in denen qPCR-Tests mobil, in großer Zahl und in weniger als 12 Stunden bearbeitet werden können. Dazu sucht ihr Unternehmen Opencell europaweit nach positiven Corona-Proben. Die helfen bei einer Pilot-Studie, in der ein handliches Gerät getestet wird, mit das Coronavirus sequenziert und Mutationen schnell erkannt werden können. Zur Arbeit gibt es auch einige Erklär-Videos.