Corona-Frust in St. Pölten: Lockdown „Katastrophe für die Wirtschaft“

Handel, Gastronomie und Veranstalter fordern unbürokratische Unterstützung.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:53
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Menschenleere Rathausgasse in der Mittagszeit – die Geschäfte sind geschlossen, Büroarbeit wurde ins Homeoffice verlagert.
Foto: Nadja Straubinger

Verlockend sind die beleuchteten, weihnachtlich dekorierten Auslagen – aber derzeit ist nur Window shopping möglich, sind doch die Geschäftstüren verschlossen: Lockdown.

Die Geschäfte sind zu. „Es ist ein Wahnsinn, dass es den Handel jetzt das zweite Jahr hintereinander mitten im Weihnachtsgeschäft trifft“, erregt sich Susanne Sandler von der Buchhandlung Schubert. „Wir haben zwar Click & Collect und sehr treue Kunden, aber die Laufkundschaft fehlt“, fürchtet die Buchhändlerin.

Georg Antauer, Geschäftsführer der Firma Hausmann, ist wie Sandler überzeugt, dass viel zu spät Maßnahmen gegen die hohen Infektionszahlen gesetzt wurden. „Für den gesamten Einzelhandel ist das eine Katastrophe“, so Antauer, der auch Click & Collect anbietet, aber darauf hofft, die letzte Woche vor Weihnachten intensiv nutzen zu können: „Wir sind ab 13. Dezember gerüstet.“

Auf den Märkten sind nur Lebensmittel erhältlich. Die Standler sind zu den gewohnten Zeiten vor Ort. Essen und Getränke konsumieren ist nicht möglich. Es gilt die FFP2-Maskenpflicht.

Die Gaststuben sind leer. Die meisten Gastronomen haben auf die Schließung schnell reagiert und bieten Abholservice an. „Der Lockdown ist nicht wirklich überraschend gekommen“, sagt Wirte-Chef Georg Loichtl, der sogar froh ist, dass die Regierung die Reißleine gezogen hat. „Zum einen ist Zusperren wohl wirklich die einzige Chance, die Situation wieder zu entspannen. Und zum anderen ist das für uns besser als die 2 G-Regel, die davor für massive Umsatzeinbrüche gesorgt hat.“

Loichtl vermutet, dass es nach dem 12. Dezember eine Öffnung der Gastronomie und Hotellerie nach strengen Regeln geben wird.

Otto Raimitz ist da pessimistischer: „Oberösterreich plant vier Wochen Lockdown – in Niederösterreich wird das genauso sein“, prophezeit der „Schau.Spiel“-Gastronom. Er habe das schon im Sommer geahnt und deshalb die Eröffnung seines neuen Lokals in Stattersdorf auf das Frühjahr 2022 verschoben.

Raimitz kritisiert das Pandemie-Management der Regierung scharf: „Das ganze Theater wird nur was nutzen mit Impfpflicht. Und keiner entschuldigt sich, auch nicht der Kanzler, der versichert hat, dass es keinen Lockdown geben wird.“

Die Nachtgastro ist dunkel und still. Andreas Brandstetter hat geahnt, dass ganz Österreich wieder zusperren wird, und hat seine Nachtlokale La Boom und Till Eulenspiegel schon vergangene Woche in eine Corona-Pause geschickt, wir hatten online aktuell berichtet:

In den Diskos gefeiert werden könne wieder, wenn sich die Lage beruhigt habe, erklärt Brandstetter: „Wir nehmen aber die Regierung in die Pflicht. Sie muss sich Maßnahmen für die Wirtschaft überlegen.“

Gastronomie und Veranstalter fordern Hilfen. Darin sind sich alle einig: „Die versprochene Unterstützung der Gastronomen und deren Mitarbeiter ist zwingend nötig, sonst würde es für viele Betriebe das Ende bedeuten“, betont Georg Loichtl. Und „diese Wirtschaftshilfen müssen rasch und unbürokratisch erfolgen“, ergänzt Mario Burger, Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer. „Es ist dringend notwendig, dass die Wirtschaftshilfen wie der Ausfallsbonus, der Verlustersatz und der Härtefallfonds den betroffenen Betrieben wieder zur Verfügung gestellt werden.“

Auch in der Realität, wünscht sich Veranstaltungsmanager René Voak, der diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hat. Denn der versprochene Veranstalterschutzschirm habe Voak bei der Starmania-Tour im Regen stehen lassen. „Das war ein PR-Gag“, schreibt Voak in einem Brief an Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, die die Unterstützung für die Veranstalter groß angekündigt hatte.

Events, Kultur, Sport – alles abgesagt. Die Veranstaltungsbranche ist auch diesmal wieder besonders betroffen von den Pandemie-Einschränkungen. Alle Veranstaltungen im VAZ sind abgesagt, von Kongressen und Messen über Bälle und Weihnachtsfeiern bis zum Ina-Regen-Konzert – Kulturveranstaltungen sind bekanntlich verschoben.

Das trifft auch die Jüngsten: Die allerersten Jeunesse-Konzerte hätten im Dezember begonnen. Die elf Konzertveranstaltungen für Kinder und Familien waren zum Großteil ausgebucht. Nun sind die Veranstalter auf der Suche nach Ersatzterminen.

Und sogar sportliche Betätigungen trifft der Lockdown: Die Naturfreunde mussten ihren kürzlich gestarteten Publikumslauf am Eislaufplatz einstellen. „Weil wir ein Dach haben, gilt es nicht als Sport im Freien“, erklärt Wolfgang Strasser von den Naturfreunden. Die Eisfläche wird erhalten, nach dem Lockdown ist der Publikumslauf wieder möglich.

Für den Eiszauber am Rathausplatz, der am 17. Dezember starten soll, laufen laut Stadt die Vorbereitungen weiter.

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