St. Pölten

Erstellt am 08. Februar 2019, 06:00

von Nadja Straubinger

Jahr der Privatpleiten in St. Pölten. Nach Gesetzesänderung gingen um zwei Drittel mehr Private in Konkurs. Unternehmen profitieren von Konjunktur.

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Als Jahr der Superlative bezeichnet der Kreditschutzverband 1870 (KSV) 2018 mit Blick auf die Zahl der Privatinsolvenzen. Um zwei Drittel mehr Verfahren gab es im Vorjahr, dem ersten vollen nach Inkrafttreten des Insolvenzrechtsänderungsgesetzes. Mit dieser Novelle wurde die Laufzeit des Abschöpfungsverfahrens von sieben auf fünf Jahre reduziert und die Mindestquote abgeschafft.

„Es ist ein großer ,Rückstau‘ entstanden, der nun abgearbeitet werden muss. Die staatlich anerkannten Schuldnerberatungen sind sehr gefordert“, bestätigt auch der der Geschäftsführer der Schuldnerberatung NÖ Michael Lackenberger. Viele hatten die Gesetzesänderung abgewartet, weil danach auch Menschen mit hohen Verbindlichkeiten und geringen Einkommen entschulden konnten. Insgesamt verzeichnete die Schuldnerberatung bei den Schuld regulierungsverfahren in Stadt und Bezirk St. Pölten einen Anstieg von über 80 Prozent. Die Zahl der Beratungen stieg folglich ebenfalls, in der Stadt auf 719 (+8,4 Prozent), im Bezirk auf 490 (+18,3 Prozent).

Leicht zurückgegangen sind die Firmenpleiten, jedoch stieg hier die Zahl der mangels Masse gar nicht eröffneten Insolvenzverfahren. Beides kann sich Wirtschaftskammer-Bezirksstellenobmann Norbert Fidler durch die gute Konjunktur erklären. „Betroffene ließen sich durch den Aufschwung länger Zeit und hofften, den Turnaround noch zu schaffen.“ Die vollen Auftragsbücher stimmen die Unternehmer aber weiter positiv, so Fidler. „Unternehmen investieren auch. Nur die von CEOs geführten sind zurückhaltend, weil sie Eigentümern gegenüber Verantwortung haben.“