Aufruhr am Sparkassenplatz in St. Pölten

Anrainer sind stinksauer. Jugendliche toben und hinterlassen Dreck. Kaum Handhabe für Polizei. Streetworker wollen mit jungen Leuten das Gespräch suchen.

Aktualisiert am 08. Oktober 2021 | 17:36

Sie machen Lärm. Sie treten gegen Wände. Schmeißen Mülltonnen um. Und sie hinterlassen Massen an Müll: Jugendliche am Sparkassenplatz.

Der Groll einiger Anrainer ist groß, denn laut ihnen geschieht seitens der Behörde nichts. Oder zumindest zu wenig.

Ein Betroffener ist Rechtsanwalt Hans-Jörg Haftner. „Das geht jetzt nun schon seit einem Jahr so“, grollt er.

Gesprächsversuche: „Man wird einfach angeschnauzt“

Los geht der Radau so gegen 16.30 Uhr und hält dann an. Bis in die Nachtstunden. Rund 20 Minderjährige, Burschen wie Mädchen, Österreicher wie auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, würden hier einfach herumtoben. Wie es ihnen beliebt. Bislang ohne große Konsequenzen. „Das ist einfach unvorstellbar, was hier abgeht“, meint Haftner.

Seine Pflanzen wurden angezündet. Die Jugendlichen klettern sogar auf ein nahes Dach und toben dort weiter. Mopedlärm durch wildes  Auf- und Abfahren ist durch die Grenzgasse weithin hörbar. Erst vor wenigen Tagen sind wieder Feuerwerkskörper gezündet worden.

Mit den Jugendlichen Gespräche zu führen, sei sinnlos. „Man wird einfach angeschnauzt“, weiß Haftner. Er sei kein Gegner von Jugendlichen. „Dass Jugendliche Treffpunkte brauchen, ist klar, aber das hier ist eine massive Belästigung der Anrainer“, findet er. Für Frauen sei es zu später Stunde äußerst unangenehm, in diesem Bereich der Stadt unterwegs zu sein.

Bei der Sparkasse weiß man um die Müllproblematik. Die Hinterlassenschaften der Jugendlichen seien nicht zu übersehen. Auch sei schon aufgefallen, dass diese auf das EVN-Häuschen raufklettern.

„Ansonsten haben wir mit den Jugendlichen zu unseren Geschäftszeiten kein Problem. Das ist eher ein Problem der Anrainer“, stellt Sparkassen-Sprecher Florian Haiderer fest.

Stadler: Gegenseitige Toleranz natürlich gefordert

Beschwerdebriefe bei der Stadtführung sind bereits eingegangen. Dort weiß man um das Problem. Die gemeinsame Nutzung von öffentlichem Raum führe oftmals zu Konfliktpotenzial. „Die Jugendlichen, die manchmal selbst über eine überschaubare Wohnfläche verfügen, weichen gerne auf Parks, Spiel- oder Grünflächen aus“, weiß Bürgermeister Mathias Stadler.

Eine Nutzung des Sparkassenplatzes durch die Jugendlichen sei nicht verboten, gegenseitige Toleranz und Rücksicht natürlich gefordert. Die Stadt hätte die Exekutive bereits um verstärkte Bestreifung gebeten. Da sich die Lage offenbar nicht verbessert hat, sagt das Stadtoberhaupt, dass er erneut die Exekutive aufgefordert hätte, die Situation am Sparkassenplatz „einer sicherheitspolizeilichen Beurteilung zu unterziehen.“

Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler dazu: „Es handelt sich hierbei großteils um privatrechtliche Übertretungen. Es wurde bereits verstärkt bestreift; es konnten aber wieder keine großartigen Übertretungen festgestellt werden.“ Eingeschritten werden kann nur, wenn gesetzliche Grundlagen vorliegen. Wenn es Sachbeschädigungen gibt, können diese natürlich angezeigt werden.

Um eine Schutzzone einzurichten, bedürfe es ebenso gesetzlicher Grundlagen. Diese lägen dort eben derzeit nicht vor. „Wir sprechen natürlich mit den Jugendlichen. Das ist aber nicht die Hauptaufgabe der Exekutive“, stellt Bäuchler klar. Hier seien Sozialarbeiter gefordert, die sich dieser sozialen Randgruppen annehmen.

Beim Verein „Jugend- und Lebenswelt“ weiß man um die Anrainersorgen. „Wir wurden bereits vor Wochen informiert und waren mehrmals zu unterschiedlichen Uhrzeiten vor Ort. Da haben wir aber kaum Jugendliche, nur einige beim Jausnen, angetroffen“, sagt Julia Zauchinger, fachliche Leiterin der Jugendeinrichtung „Nordrand“. Die Streetworker werden aber, beteuert sie, „die Situation weiter im Blick haben und mit den Jugendlichen das Gespräch suchen.“