Aufruhr um abgetrennte Kuhschädl

Verein „RespekTiere“ kritisiert Geburtstagsaktion scharf. Initiatoren haben die toten Rinderköpfe nun entfernt.

Erstellt am 02. Mai 2020 | 16:51
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„Un-un-unfassbar! Ein anderes Wort fällt uns dazu wirklich nicht mehr ein!“ Tom Putzgruber vom Verein „RespekTiere“ ist wie auch viele andere Tierfreunde erschüttert. Abgetrennte Kuhschädel wurden an den Ortseinfahrten von Unter-Mamau positioniert. „Einer war bereits voller Fliegen, es roch entsetzlich, die Verwesung war im vollen Gange. Unter dem zweiten Kopf, mittels Schrauben durch die Ohren an eine Tafel befestigt, erkannte man geronnenes Blut, welches in dicken Strömen geflossen ist. Wie weit haben wir uns als Gesellschaft wirklich von der Barbarei entfernt?“, tut er seinen Unmut kund. Die Kuhschädel wurden überdies auch noch mit bunten Luftballons „verziert“.

Tierschützer Putzgruber kritisiert scharf den niederösterreichischen Brauch der Platzierung eines Schweine- oder Kuhschädels vor dem Haus eines Junggesellen, der seinen 30.  oder 40. Geburtstag unverheiratet angeht. „Ein Leben in Agonie - und selbst im Tod noch verspottet! Es ist einfach nur zum Schämen“, meint Putzgruber, der bereits in Bulgarien für sein Tierschutzengagement gewürdigt wurde. Der Anblick erinnert, findet er, „an das finsterste Mittelalter.“ Und: „Man fühlt sich zurückversetzt in ein Wikingerdorf, wo Gewalt und Totschlag den Alltag beherrschten. Was für eine Botschaft ist das bitteschön, was wird hier den Kindern vermittelt?“

Behörden informiert

Als sich die NÖN im Ort umhörte, wollten alle Befragten zu dieser Aktion anonym bleiben, auch der Beschenkte. Er nimmt aber zu seinem „Präsent“ Stellung: „Diese Aktion von Brauchtumspflege, vermutlich von Freunden, hat mich nicht besonders gestört, erfreut war ich natürlich nicht.“ Viel mehr hat ihn indes jedoch die schriftliche Stellungnahme vom Tierschutzverein „RespekTiere“ verärgert. „Diese ist sehr übertrieben und an den Haaren herbeigezogen“, meint er.

Ein alteingesessener Unter-Mamauer erklärt indes dazu: „Dieser Brauch ist der älteren Bevölkerung bei uns bekannt. Wenn er mit Vierzig noch Junggeselle ist, gibt es einen geschmückten Kuh- oder Ochsenschädels und bei 30 einen Schweinsschädel.“

Der Verein „RespekTiere“ hat auf jeden Fall die Behörden informiert. „Wir haben Anzeige erstattet, bezüglich einer Verletzung des Anstands, der Sitten und des Seuchenschutzgesetzes. Weiters kommt das Tiermaterialiengesetz zum Tragen, welches eine zwingende Ablieferungspflicht für tierische Nebenprodukte an Fachfirmen vorsieht. Die Anzeige wurde der Polizeiinspektion Prinzersdorf übermittelt sowie der Gemeinde Karlstetten, der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten und der Tierschutz-Ombudsfrau“, berichtet Putzgruber.

 „Die Gemeinde wird in ein schiefes Licht gerückt!“ Thomas Kraushofer, Bürgermeister von Karlstetten

 Karlstettens Bürgermeister Thomas Kraushofer war „nicht sehr glücklich, als er über diese Aktion informiert wurde“, wie er bestätigt. Auf eine Brauchtumspflege mit Tierköpfen in der angeführten Art könne verzichtet werden, denn: „Die Gemeinde wird mit dieser Aktion in ein schiefes Licht gerückt“, ist er überzeugt, Brauchtumspflege „ja“, sagt er,  „aber in vernünftiger Art und Weise.“

Das Aufsehen für unverständlich empfindet indes einer der Initiatoren, der auch nicht genannt werden möchte: „Wir haben das Brauchtum ,Kuh- oder Schweinsschädel‘ schon öfters im Ort durchgeführt. Es hat sich auch noch nie jemand darüber negativ geäußert oder sogar eine Anzeige erstattet. Es ist ein Brauchtum und dieses haben wir nur umgesetzt.“ Außerdem stellt er klar: „Als in dieser Angelegenheit die Polizei da war, haben wir alles entfernt und auch entsprechend entsorgt.“

Der Verein hat seinen Unmut über diese Aktion via Facebook kundgetan, auch der  „Verein gegen Tierfabriken“ schließt sich der Meinung an und hat den Beitrag geteilt.

„RespekTiere“ hat schon mehrmals auf diese Tradition in Niederösterreich aufmerksam gemacht. Erst vor kurzem sei man auf dieses fragwürdige Brauchtum in Hadersdorf/Kamp gestoßen, bestätigt Putzgruber. „Jetzt ist der Zeitpunkt aber endgültig erreicht, wo wir das grausame Brauchtum so nicht mehr hinnehmen und ein gesetzliches Verbot einfordern!“, so der Tierschützer. Der Verein „RespekTiere“ kündigt an, nächste Woche eine Petition dazu veröffentlichen, mit dem Ziel, diesen Brauch endgültig abzuschaffen.