St. Pölten

Erstellt am 16. Mai 2018, 04:59

von Mario Kern

Aus für Übergangsklasse in St. Pölten. Deutsch-Förderprojekt im BIGS wird nach zwei Jahren eingestellt. Manche der 28 Jugendlichen sind wegen drohender Abschiebung verzweifelt.

Symbolbild  |  Maren Winter/Shutterstock.com

Zwei Jahre nach dem Start der Übergangsklasse am Caritas-Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe (BIGS) steht das Projekt vor dem Aus: Im nächsten Schuljahr wird es diese besondere Unterrichtsform nicht mehr geben. Denn den 2016 als Folge steigender Flüchtlingszahlen eingerichtete Integrationstopf wird es planmäßig nicht mehr geben. Derzeit suche man eine Lösung, um einen Erhalt zu ermöglichen, erläutert Magdalena Tanzler vom Bildungsministerium.

„Das Aus ist unglaublich schade. Wir haben viel investiert“, bedauert BIGS-Direktor Helmut Beroun. In der aktuellen Übergangsklasse lernen 28 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren Deutsch, um später in Mittleren oder Höheren Schulen besser dem Unterricht folgen zu können oder auf eine Lehre vorbereitet zu sein. Davon sind zehn Schüler für drei Jahre asylberechtigt, zwei haben die Rot-Weiß-Rot-Karte für befristeten Aufenthalt. Dreizehn Schüler haben einen Antrag gestellt, vier Jugendliche bekamen einen negativen Bescheid, zwei bereits den zweiten negativen Bescheid.

„Nach Afghanistan zurückzugehen, ist für mich keine Möglichkeit. Dort ist mein Leben in Gefahr.“ehemaliger Schüler der Übergangsklasse im BIGS

Diese beiden reagierten rasch und verließen die Schule. Einer der beiden ist ein 18-jähriger Afghane, der nach Paris floh. „Nach Afghanistan zurückzugehen, ist für mich keine Möglichkeit“, erklärt der Jugendliche in gutem Deutsch im NÖN-Gespräch. „Dort ist mein Leben in Gefahr. Jene Leute, die mit den Taliban kooperieren, machen keine halben Sachen.“ In der Übergangsklasse in Österreich sei es ihm gut gegangen. „Ich habe viel gelernt, hatte eine Freundin, habe Theater gespielt, um schneller Deutsch zu lernen.“ Der 18-Jährige wollte Krankenpfleger werden. „Nun muss ich wieder von vorne anfangen. Ich verstehe das nicht: Ich wollte in Österreich arbeiten, habe Deutsch gelernt und mich in die Gesellschaft eingefügt.“ Nach Paris geflohen sei er, weil er mitbekommen habe, dass Freunde nach dem zweiten negativen Bescheid „trotz sechswöchiger Beschwerdefrist bereits nach einer Woche mitten in der Nacht von der Polizei abgeholt wurden“.

In der Übergangsklasse im BIGS seien manche Schüler verzweifelt, berichtet Direktor Beroun. „Jene mit einem negativen Bescheid fragen sich, wozu sie überhaupt noch lernen sollen. Im derzeitigen politischen Klima ist es offenbar sehr gewünscht, dass die Verfahren rasch durchgeführt werden. Uns fehlt aber der Blick, was aus denen wurde, die Österreich wieder verlassen mussten.“

Beroun könne künftig nur mehr ganz wenige Jugendliche als außerordentliche Schüler aufnehmen. „Dabei können sie aber natürlich nicht gezielt gefördert werden. Von der Lerneffizienz her ist das suboptimal.“