Ehemalige Synagoge in St. Pölten: Provisorium hat Ende. Ehemalige Synagoge wird Teil der NÖKU-Gruppe. Wissenschaftliche Leiterin stellt Pläne vor.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 31. Juli 2020 (03:07)
Direktorin Martha Keil blickt optimistisch in die Zukunft der Synagoge.Die ehemalige Synagoge soll ein Raum für Kultur, Vermittlung sowie Gedenken werden und Treffpunkt für Nachkommen der St. Pöltner Kultusgemeinde bleiben.
: Klaus Pichler

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Schäden feststellen, Reparaturen veranlassen, Veranstaltungen organisieren und Besucher einlassen. In Zukunft muss Martha Keil, Direktorin des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs (Injoest) und wissenschaftliche Leiterin der ehemaligen Synagoge, solche Aufgaben nicht mehr übernehmen: Das Gebäude wird in die NÖ Museum Betriebs GmbH eingegliedert.

„Das ist ohne Zweifel eine Entlastung für unsere alltägliche Arbeit. Es gingen Zeit und Energie von der Forschung ab“, erzählt Keil. 1988 ist das Institut eingezogen. Über die Jahre bauten Keil und ihr Team die Synagoge als Gedenk- und Vermittlungsraum aus, ein Konzept habe jedoch gefehlt.

Unter dem Motto „Geschichte – Gedenken – Gegenwart“ soll sich das jetzt ändern. „Mein Traum ist, dass alle Schulklassen, die nach Mauthausen fahren, am Weg dorthin zu uns kommen. Jüdische Geschichte darf nicht nur eine Geschichte der Vernichtung sein“, schildert Keil ihre Vision für das künftige Programm.

Eindruck von jüdischem Leben vermitteln

Installationen und eine Medienstation sollen von der jüdischen Gemeinde erzählen, an Opfer der Shoah erinnern und Anknüpfungspunkte zur Diskussion aktueller Probleme bieten.

Darüber hinaus sind kleine Ausstellungen, etwa in thematischer Absprache mit dem Haus der Geschichte, und ein jährliches jüdisches Kunst- und Kulturfestival geplant. Aber auch Gottesdienste, wie ihn Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen bei einem Besuch feierten, müssten weiterhin möglich sein. „Das wird nie ein eindeutiger Raum sein“, stellt Keil klar. „Der Mensch, der ihn gerade nützt, wählt zwischen Gedenk-, Informations- oder sogar Gebetsraum.“

Außerdem stehen Sanierung und Adaptierung der Gebäude an. Neben dem Beheben baulicher Mängel wird mit einem Heizsystem, Aufzügen und barrierefreien Sanitäranlagen nachgerüstet. Zudem erhält das Kantorhaus Vermittlungs- sowie Lagerräume. „Das ganze Ensemble wird sich verändern, aber der Innenraum der Synagoge bleibt natürlich, wie er ist“, versichert Keil. Die Verträge müssen noch unterzeichnet werden, die Bauarbeiten sollen von März 2022 bis September 2023 dauern. Keil blickt dem Ganzen optimistisch entgegen: „Es ist für mich die einzige dauerhafte und sichere Lösung für dieses Haus. Und alles, was dort passiert, wird mit dessen Geschichte und Würde vereinbar sein.“