Nach Aus für St. Pölten: "Müssen vorwärts schauen". Der Bürgermeister setzt auf Impulse einer Landes-Kulturhauptstadt, die er mit den Bewerbungspartnern umsetzen will.

Von Martin Gruber-Dorninger, Caro Böhm und Michaela Fleck. Erstellt am 18. November 2019 (16:05)
Bei der Pressekonferenz im Gemeinderatssitzungssaal nach Bekanntgabe der Kulturhauptstadt 2024 war die Enttäuschung zu spüren. Vizebürgermeister Franz Gunacker, Bürgermeister Matthias Stadler, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Vizebürgermeister Matthias Adl stellten die Landeskulturhauptstadt als Ersatz vor.
NLK Pfeiffer

 „Congratulations to … Bad Ischl.“ Die Enttäuschung war groß bei der St. Pöltner Delegation, als Juryvorsitzende Cristina Farinha im Bundeskanzleramt die Entscheidung für die europäische Kulturhauptstadt in Österreich verkündete. Kurz darauf übten sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Bürgermeister Matthias Stadler im Gemeinderatssitzungssaal in St. Pölten schon in Zweckoptimismus. „Wir müssen jetzt vorwärts schauen“, sagte Stadler. „St. Pölten wird Landes-Kulturhauptstadt 2024“, versprach Mikl-Leitner.

Die Geschäftsführer des Bewerbungsbüros St. Pölten 2024 Michael Duscher (rechts) und Jakob Redl gratulieren imBundeskanzleramt Stefan Heinisch, der mit Bad Ischl den Zuschlag für die Austragung der europäischen Kulturhauptstadt bekam.
Gruber

Als Erster fand nach der Verkündung der Geschäftsführer des Bewerbungsbüros „St. Pölten 2024“, Michael Duscher zu Worten: „Wir sind natürlich total enttäuscht. Das ist aber auch der Moment, in dem ich mich wirklich bei allen herzlich bedanken möchte. In erste Linie bei meinem unglaublichen Team.“ Jakob Redl gab sich danach schon zuversichtlicher: „Es sind beim Bewerbungsprozess so viele Ideen entstanden. Wenn die erste Enttäuschung einmal verdaut ist, werden wird die Dynamik mitzunehmen wissen.“

Kinderkunstlabor wird trotzdem kommen

Nach einer kurzen Nachdenk- und Aufarbeitungsphase stehen die nächsten Vorhaben an. In zwei Phasen soll ein Plan „STP 2024“ in die Tat umgesetzt werden. „Die Realisierung der kulturellen Infrastrukturprojekte hat schon begonnen. Diese Projekte müssen bis 2024 fertiggestellt sein“, erklärt Duscher.

Die Kulturinfrastruktur-Investitionen betragen nun 30 statt 36 Millionen Euro. Den Plan B hatte man schon im Bid Book II formuliert. Darin sind das neue KinderKunstLabor mit zwölf Millionen Euro, das optimierte Festspielhaus mit 6,85 Millionen Euro, der neu gestaltete Domplatz mit fünf Millionen Euro, die revitalisierte ehemalige Synagoge mit vier Millionen Euro, die Erweiterung des Stadtmuseums mit 750.000 Euro und der Klangturm mit 500.000 Euro budgetiert. Der finanzielle Fahrplan wurde bereits im Bewerbungsverfahren grundsätzlich abgesegnet. Ebenfalls beschlossen sind im Fall der Nichterlangung des Titels 16 Millionen Euro als Betriebs- und Programmbudget. Noch heuer sollen im Gemeinderat und im Landtag ergänzende Beschlüsse gefasst werden.

In Phase 2 soll bis Ende des ersten Halbjahres 2020 die Programmstrategie der „Landeskulturhauptstadt St. Pölten 2024“ fertig ausgearbeitet sein. „Wir sind dankbar für die Wertschätzung, die unserer Arbeit entgegengebracht wird und werden nun den ,Plan 2024’ konkretisieren und umsetzen“, erklären die Geschäftsführer Michael Duscher und Albrecht Grossberger. Duscher wird daran nicht mehr arbeiten, er wird, wie berichtet, mit Jahreswechsel Geschäftsführer der NÖ Werbung.

Kritik laut Experten nicht angebracht

Nachträglich Kritik übt Reinhard Gosch, Leiter des Dialogs zwischen den Kulturen: „Es war vollkommen undemokratisch, die vom Land ausgegliederte Kulturgesellschaft NÖKU mit den Vorbereitungen zu beauftragen.“ Trotz mehrjähriger Bemühungen sei es der Gruppe von Kulturfreunden nicht gelungen, ein für die Landeshauptstadt affines Konzept zu machen. Grossberger weist das allerdings entschieden zurück: „Wir haben eine junge und offene Truppe zusammengestellt. Die Projekte fußen auf Ideen von über 50 Kulturschaffenden aus St. Pölten. Wir hatten also einen breiten Partizipationsprozess.“

Ein gutes Zeugnis stellt der ehemalige EU-Jury-Vorsitzende Ulrich Fuchs St. Pöltens Bewerbung aus: „Da ist alles sehr professionell abgelaufen. Wäre das nicht so gewesen, wäre St. Pölten gar nicht erst in die Vorauswahl bekommen.“ Fuchs attestiert übrigens allen drei Finalteilnehmern gute Bewerbungen. „Welches Kriterium schlussendlich stärker bewertet wird, liegt in der Hand der Jury“, so Fuchs, der davon ausgeht, dass die Entscheidung knapp für Bad Ischl ausfiel.