Marie Rötzer: „Wollen die Neugier auf Vielfalt wecken“. Intendantin Marie Rötzer im NÖN-Gespräch über neue Formate und die Wichtigkeit europäischen Denkens.

Von Mario Kern. Erstellt am 13. Februar 2019 (18:22)
Alexi Pelekanos
Marie Rötzer hält im Landestheater den Diskurs und die Meinungsvielfalt hoch.

Mit neuen Formaten und einem Projekt für das Kulturhauptstadt-Jahr rückt das Landestheater immer mehr den Diskurs und den europäischen Gedanken in den Vordergrund. Die NÖN bat Intendantin Marie Rötzer zum Gespräch.

NÖN: Am 16. Februar startet die Lese- und Diskussionsreihe „Die Beste aller Welten“, Ende Mai bringt das Landestheater unter dem Titel „Hausbesuch Europa“ den Diskurs ins Wohnzimmer. Was steht hinter Formaten wie diesen, mit denen sich das Theater über die Hausgrenzen hinweg bewegt?
Marie Rötzer: Die Entwicklung hat vor fast sechs Jahren mit dem Bürgertheater begonnen, das in diesem Jahr Jacques Préverts „Kinder des Olymp“ zeigt – diesmal gibt es das Bürgertheater zum ersten Mal auf der Bühne im Großen Haus. Einen weiteren Schritt setzten wir vergangenes Jahr mit dem Zukunftsbüro am Rathausplatz, das wir 2020 wiederholen möchten. Mit der Lesereihe und dem „Hausbesuch“ rücken wir die Diskussionskultur in den Mittelpunkt. Gerade heutzutage müssen wir im Austausch bleiben. Wir müssen uns eine eigene Meinung bilden. Theater kann helfen, sich mit unterschiedlichen Positionen zu verschiedensten Themen auseinanderzusetzen.

Was kann ein Projekt wie der „Hausbesuch“ bewirken?
Grenzen und Barrieren abbauen. Wir suchen private Gastgeber in St. Pölten und in der Region, die bis zu fünfzehn Personen im Wohnzimmer aufnehmen. Dabei wird über die Beziehung zur Heimat und zu Europa diskutiert. Damit wollen wir den europäischen Gedanken in lokalen Boden säen.

Für das Kulturhauptstadt-Jahr 2024 ist bereits ein Projekt geplant – worum handelt es sich?
Wir wollen die Geschichte Europas erzählen. Dazu schreiben Autoren Episoden – eine wird bei uns gezeigt, die anderen in weiteren Kulturhauptstädten. 2024 würde dann vor dem Landestheater die gesamte „Staffel“ mit allen Episoden aufgeführt. Damit möchten wir wie bei der Lesereise und dem „Hausbesuch“ die Neugier auf das Denken der anderen und auf die Vielfalt der Kulturen wecken.