Jagdaufseher Vittorio Nicoloso: „Ball war Totenkopf“. Jagdaufseher Vittorio Nicoloso zeigte den Ort, wo er neben Hanfpflanzen Leichenteile fand.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 13. Februar 2019 (04:12)
Wohlmann
Vittorio Nicoloso betreut als Jagdaufseher450 Hektar Wald und Flur in Wasserburg. Auf einem der Reviergänge mit seinen JagdhundenDino, Susi und Lilly fand er in der Vorwoche einen Totenschädel.

„Eigentlich hielt ich wegen Fuchsbauten Ausschau. Doch plötzlich fand ich Teile eines Skeletts“, erzählt Vittorio Nicoloso beim Lokalaugenschein mit der NÖN. In der Wasserburger Au machte der als Besitzer des Ziegelwerks Pottenbrunn bekannte Jagdaufseher zu Beginn der Vorwoche eine grausige Entdeckung. Unweit von Hanfpflanzen fand er zunächst eine Jacke, Schuhe und einen Stofffetzen, der sich als verwitterte Unterhose herausstellen sollte. „Ich dachte zuerst, dass dies wohl auch jenen Personen gehört, die hier heimlich Cannabis angebaut hatten“, vermutete Nicoloso. Doch er sollte falsch liegen.

Am nächsten Morgen ging der Weidmann noch einmal zur Fundstelle. „Ich wollte ja nicht gleich Panik machen, sondern mir das nochmals in Ruhe genauer anschauen“, berichtet er. Plötzlich erregte ein seltsamer weißlicher Gegenstand sein Interesse. „Ich vermutete einen Ball, den vielleicht Hochwasser angespült hatte. Das war aber ein Totenkopf“, schildert Nicoloso. Vorsichtig drehte er ihn mit einem Stock um. „Ich wollte sehen, ob er vielleicht ein Einschussloch hat. Dem war aber nicht so.“ Als er dann noch aus der Jacke eine Versicherungskarte herausragen sah, wusste er, dass „jetzt der Moment gekommen war, sofort die Polizei zu ständigen“. Die Exekutive sperrte daraufhin die Gegend ab und startete eine Suchaktion. Ein Diensthund fand schließlich weitere Knochensplitter.

„Ich habe den Totenkopf vorsichtig mit einem Stock umgedreht, um zu sehen, ob er vielleicht ein Einschussloch hat.“ Vittorio Nicoloso

Die entdeckten Dokumente deuten daraufhin, dass es sich um einen seit rund eineinhalb Jahren abgängigen Deutschen handelt. Der damals 65-jährige Mann wird seit August 2017 vermisst. Er kehrte von einem Besuch bei seinen Kindern in Bayern nicht mehr in seine Heimatstadt Dresden zurück. Das Handy des an Demenz erkrankten Mannes wurde zwischenzeitlich in Tschechien geortet.

Ob es sich beim Toten wirklich um den Mann handelt, soll die Untersuchung der Knochen klären. Ein Ergebnis wird in rund einer Woche erwartet. Die Polizei geht jedenfalls nicht von einem Gewaltverbrechen aus.

Dass die Skelettteile viele Monate lang unentdeckt blieben, obwohl der Fundort relativ knapp neben einem Feldweg vorbeiführt, an dem auch immer wieder Spaziergänger unterwegs sind, wundert Nicoloso nicht. „Ich bin ja auch nur durch Zufall darauf gestoßen.“

Die zuerst entdeckte Hanfpflanze hatte Nicoloso übrigens zuerst noch eingesteckt. „Die Polizei hat sie mir aber sofort weggenommen. Ich meinte ja da noch scherzhaft, dass ich doch der Finder sei. Die Polizei bestand aber darauf, dass ich sie aushändige. Das habe ich dann selbstverständlich auch gemacht, eine Anzeige wollte ich ja doch nicht riskieren.“