Maqoma im Festspielhaus: Politische Kunst und lebendige Historie

Erstellt am 22. Mai 2022 | 11:26
Lesezeit: 2 Min
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Gregory Maqoma, Tshegofatso Khunwane, Lubabalo Velebhayi, Xolisile Bongwana und Zandile Hlatshwayo versetzten sich in die Rollen des südafrikanischen Chors, der 1891 Großbritannien besuchte.
Foto: Lolo Vasco
In gerade einmal einer Stunde rüttelte der südafrikanische Choreograph das Publikum wach für Themen, die seit Jahrhunderten brennen.

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Gregory Maqoma, Tshegofatso Khunwane, Lubabalo Velebhayi, Xolisile Bongwana und Zandile Hlatshwayo versetzten sich in die Rollen des südafrikanischen Chors, der 1891 Großbritannien besuchte.
Foto: Maria Prchal

1891 ging ein Chor aus südafrikanischen Sängerinnen und Sängern auf Tournee in den globalen Norden. Wie ist es ihnen wohl ergangen in einer Gesellschaft, die sie als zivilisierungswürdige Kolonialvölker sieht und ihnen gleichzeitig Applaus spendet?

Der südafrikanische Tänzer und Choreograph Gregory Maqoma arbeitete die Geschichte in einer packenden Performance auf. Dabei verbindet er in "Broken Chord" die Historie mit der Gegenwart.

Die Vokalist*innen treffen auf einen rigiden britischen Chor, kalt und steril verkörpert vom Ensemble des Festspielhaus mit wunderbar rollendem "r" in feinstem Queen's English. Aber der südafrikanischen Truppe ist nicht nach "rejoice", wenn sie mit Vorurteilen, Exklusion und Rassismus konfrontiert werden.

Maqoma streut in die stimm- und bildgewaltigen Szenen Monolog, der die koloniale Vergangenheit ins Jetzt holt. "Bring back the bodies, bring back the art, bring back the voices" fordert er und prangert nachher auf der Premierenfeier noch die Pushbacks im Mittelmeer an.

Kolonialismus wirkt nach und Rassismus ist immer noch allgegenwärtig. Das zeigt das Stück und ist damit hochaktuell und wichtig. Gleichzeitig holt es Figuren aus der Vergangenheit vor den Vorhang, die bisher von weißen Geschichtsschreibern verdrängt wurden.

Auch Österreich kann sich nicht ausnehmen als postkoloniale Gesellschaft, ein Blick in die Museen genügt. Deswegen ist "Broken Chord" ein Must-see, sollte es noch einmal zur Aufführung kommen. Die mitreißende Mischung aus afrikanischen Rhythmen und klassischer Musik in Tanz und Gesang bringt die Botschaft noch einmal prägender rüber.