Wilhelmsburgerin muss Sozialstunden leisten. Eine 61-Jährige Wilhelmsburgerin stand vor Gericht, weil sie einen Bekannten mit dem Messer in den Bauch gestochen haben soll. Beide sagen, es war ein Unfall.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 14. September 2021 (11:03)
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Mit einer sechs Zentimeter tiefen Stichwunde im Bauch und zwei Promille kam ein 55-Jähriger Ende März 2020 ins Krankenhaus. Wie es dazu kam, ist nicht ganz klar, vor Gericht erzählt er eine andere Geschichte als die Frau, die deswegen angeklagt ist. Einig sind sich jedoch beide: Es war ein Unfall.

Sie kennen sich schon lange, von früher und sie waren an jenem Abend schon vor ihrem Treffen betrunken. Der Mann rief an und kam mit Schnaps bei der 61-jährigen Wilhelmsburgerin vorbei. Sie redeten, sie stritten sagt sie, sie stritten nicht, sagt er. Um ihr etwas zu zeigen, ging der Mann in die Küche und kam mit einem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge zurück und fuchtelte damit herum. Ab hier gehen die Geschichten der beiden auseinander.

Er habe ihr sagen wollen, dass sie auch mit einem Messer Zielwerfen kann, nachdem sie ihm gesagt hätte, sie würde gerne einmal mit einer Pistole schießen. Dann habe er das Messer auf den Couchtisch zwischen sie gelegt, sagt er. Als sie daraufhin das Messer wieder zurück in die Küche räumen wollte, sei sie gestolpert und hätte ihn mit dem Messer erwischt.

Im Handgemenge verletzt

Kann es nicht doch so sein, wie es die Angeklagte erzählt, fragt die Richterin nach. Der Mann überlegt, zögert: „Ich war mir sehr sicher, aber ich hab so einen Vollrausch gehabt, es kann auch so sein wie sie gesagt hat.“ Nämlich, dass sie Angst bekommen hatte, als sie ihn mit dem Messer fuchteln sah und versuchte, es ihm aus der Hand zu nehmen. Dabei sei sie abgerutscht, erzählt sie und weil er mit seiner Hand gegen ihre drückte und sie in dem Moment losließ, sei ihm das Messer in den Bauch gefahren.

Der Gutachter hält beide Geschichten für möglich, nach der Verletzung zu schließen. Die Version der Frau beurteilt er aber als unwahrscheinlicher. Wie dem auch sei, die Angeklagte übernimmt Verantwortung dafür, dass die Verletzung durch ihre Mitschuld verursacht wurde. In Anbetracht der Gesamtsituation und weil die Angeklagte keine Vorstrafen hat, entscheidet sich die Richterin dafür, sie nicht zu verurteilen. Die 61-Jährige bekommt ein Diversionsangebot: Sie soll 180 Sozialstunden leisten. Der Mann verlangt kein Schmerzengeld, er wisse, dass es keine Absicht gewesen sei.