Bedürfnisse von Rolli-Fahrern in St. Pölten ignoriert. Öffentlicher Toilette-Anlage bei Tourismus-Info fehlt das Behinderten-WC – das im Rathaus ist nach 16 Uhr versperrt.

Von Beate Steiner. Erstellt am 25. August 2019 (03:49)
Beate Steiner
Neues öffentliches Klo, aber nicht für alle: Die Toilette bei der umgestalteten „barrierefreien“ Servicestelle für Tourismus und Marketing können Rollstuhlfahrer nicht benutzen.

Rollstuhlfahrer müssen draußen bleiben bei der neuen öffentlichen Toilette im angeblich barrierefrei umgebauten Rathaus. „Das ist absolut ärgerlich und ein Rückschritt. An Samstagen gibt es jetzt kein öffentliches Behinderten-WC in der Innenstadt mehr“, kritisiert Eva Maringer. Denn nicht nur, dass bei der Errichtung des neuen WCs verabsäumt wurde, behindertengerecht zu denken, ist das alte Rollstuhl-taugliche Klo im Rathaus ab sofort an Samstagen und nach 16 Uhr nicht mehr zugänglich, weil das Rathaus jetzt zugesperrt ist.

Wie Rollstuhlfahrerin Eva Maringer ist auch Josef Schoisengeyer unzufrieden mit der Situation in St. Pölten. Der Obmann des Club 81, der der Stadt schon viele Tipps für behindertengerechtes Bauen gegeben hat, ärgert sich über die Ignoranz: „Wir sind keine Bittsteller, Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht.“ Der Wirtschaft werde vorgeschrieben, dass barrierefrei gebaut und umgebaut wird, „und die städtische Immobiliengesellschaft ignoriert das“.

Keine Europaschlüssel in der Landeshauptstadt

Schoisengeyer bemängelt zusätzlich, dass das öffentliche Klo am Domplatz ab 20 Uhr versperrt ist. Es kann auch nicht mit einem Europaschlüssel aufgesperrt werden. Das ist ein Chip, der in vielen europäischen Ländern Türen für Rollstuhlfahrer öffnet oder Behindertenlifte in Betrieb setzt. „Das funktioniert im kleinsten Dorf im Burgenland, aber nicht in der niederösterreichischen Landeshauptstadt, die Kulturhauptstadt werden will“, kritisieren sowohl der Club-81-Obmann als auch Eva Maringer. Die hätte einen technisch wenig aufwendigen Vorschlag, wie die neue Toilette barrierefrei gemacht werden könnte: „Wenn der Vorraum von innen versperrbar ist, kann ich das WC nutzen.“

Der Magistrat wird nun prüfen, ob dieser Vorschlag umgesetzt werden kann, heißt es auf NÖN-Anfrage.