Badeunfälle: Echte Retter an St. Pöltens See-Ufern. Mit „Baywatch“ hat die Realität der Wasserrettung wenig zu tun. Ertrinkende schreien oft nicht.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 09. Juli 2019 (03:20)
Wasserrettung

Viele St. Pöltner zog das paradiesische Wetter der letzten Tage ans Wasser. Bei Sommer, Sonne, Sonnenschein entspannen aber nicht alle. Für manche Menschen bedeutet das Badewetter eine herausfordernde Aufgabe, beispielsweise für die Wasserretter, die ihren Stützpunkt am Ratzersdorfer See haben.

„Dass jemand um Hilfe schreit, wenn er im Wasser in Not gerät, das gibt es aber nur in Baywatch“, erklärt der St. Pöltner Markus Schimböck, Landesleiter der Wasserrettung. Viele Badeunfälle gehen fast lautlos vonstatten. „Vielmehr ist der in Not Geratene damit beschäftigt über Wasser zu bleiben. Die Person taucht bis zu viermal unter und wieder auf, ehe sie dann ganz untergeht“, beschreibt Schimböck die Situation bei den meisten Badeunfällen.

Erst vor wenigen Tagen wäre es beinahe wieder so weit gewesen ( die NÖN berichtete, siehe hier ). Ein Mann zog ein kleines Mädchen, das seiner größeren Schwester in den Ratzersdorfer See gefolgt war, gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser.

„Der Hauptgrund für Badeunfälle sind mangelnde Schwimmkenntnisse gepaart mit Selbstüberschätzung. Aber auch der Kreislauf spielt oft nicht mit, wenn man mit erhitztem Körper in das kalte Nass springt“, zählt Schimböck die häufigsten Ursachen auf.

Im Erholungsgebiet und an Traisen im Einsatz

„Natürliche Gewässer sind in NÖ die häufigsten Einsatzorte für die Wasserretter“, weiß Abschnittsleiterin Doris Horvath, dazu gehören Abschnitte der Traisen. „Vor allem die Wehranlagen sind bei entsprechendem Wasserstand gefährlich“, warnt Horvath. Einbauten mit Metallpfeilern unter den Wehren können Kopfverletzungen verursachen. Aber auch in den darunterliegenden Stoßbecken erzeugt Strudelbildung gefährliche Situationen.

„An manchen Stellen läuft das Wasser zurück. Niemals alleine dort baden. Und wenn man einen Badeunfall beobachtet, besser den Notruf alarmieren und nicht versuchen, selbst zu retten“, gibt Horvath lebensrettende Tipps. Das gelte auch bei Hunden, die in diese Situation geraten. „Die Tiere kommen da meist unbeschadet davon, nur das Herrchen oder Frauchen, das dann nachspringt kommt wirklich in eine Notsituation“, so Horvath.

Die meisten Einsätze gibt es im Erholungsgebiet mit Ratzersdorfer See und Viehofner Seen. Die Wasserretter schauen aber auch bei Großveranstaltungen wie Frequency, Ironman oder Musikevents in Seenähe nach dem Rechten. „Alleine beim Ironman haben wir heuer zwölf Teilnehmer aus dem Wasser gezogen“, berichtet Horvath.

„Im Vorjahr hatten wir in St. Pölten keinen einzigen Todesfall zu beklagen“, sieht das Horvath auch als Ergebnis der vielen Präventionsarbeit, die die Wasserrettung leistet. Passiert etwas, geht es selten so gut aus, wie bei Baywatch: „Niemand springt nach der Beatmung auf, spuckt Wasser und bedankt sich bei seinen Rettern“, meint
Horvath.