Franz Sales Sklenitzka: „Struwwelpeter hat fasziniert“. Autor Franz Sales Sklenitzka über das alte Kinderbuch und seine eigenen Werke für junge Menschen.

Von Marie Eder. Erstellt am 19. September 2019 (11:03)
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Franz Sales Sklenitzka machte sein Hobby zum Beruf

Vom Tisch gerissenes Essen, vom Schneider abgeschnittene Daumen und ein Bursche, der mit seinem Regenschirm davonflog – da werden Kindheitserinnerungen an die Geschichten von Heinrich Hoffmann wach. Vor 125 Jahren ist der Autor des Struwwelpeter verstorben.„Anlässlich seines Todestages hat die NÖN den Kinderbuchautor Franz Sales Sklenitzka gebeten, seine Kindheit Revue passieren zu lassen.“

NÖN: Wie sind Sie dazu gekommen, Kinderbücher zu schreiben?
Franz Sklenitzka: Ich habe immer schon gerne geschrieben. Mein damaliger Deutschprofessor hat damals zu mir gesagt, ihm gefielen meine Geschichten und ich werde einst einmal selbst schreiben. Als Jugendlicher habe ich bereits zwei Preise gewonnen und fühlte mich dadurch bestätigt. Ich habe einige Jahre als Volksschullehrer gearbeitet und da wusste ich, dass ich auf dieser Wellenlänge schreiben möchte. Seit meinem Buch „Drachen haben nichts zu lachen“ habe ich schweren Herzens den Lehrerjob an den Nagel gehängt und mich dem Schreiben gewidmet.

Sie sprechen in Ihren Vorträgen immer darüber, wie wichtig es ist, anderen vorzulesen. Haben Sie als Kind den Struwwelpeter vorgelesen bekommen oder selbst gelesen? 
Ich habe sehr wenig vorgelesen bekommen, allerdings habe ich bereits vor der Volksschule Bücher selbst gelesen. Der Struwwelpeter hat mich sehr fasziniert. Die dargestellten Grausamkeiten und dramatischen Geschichten haben mir als Kind sehr imponiert.

War der Struwwelpeter der Grund, selbst zu schreiben? Kann man Vergleiche zu Ihren Büchern ziehen?
Ich distanzierte mich schnell vom Struwwelpeter, weil ich selbst einmal von meinem Lehrer gesagt bekommen habe, wenn ich mir die Haare nicht schneide, würde er mir einen Fünfer geben. Ich war damals in meiner rebellischen Phase und hatte kein Verständnis dafür. Die meisten meiner Bücher handeln von Drachen und Reptilien. Vergleichen kann man das mit Hoffmanns Geschichten nicht. Ich habe allerdings einmal eine kleine Parodie verfasst, die den „Hans Guck-in-die-Luft“ in die moderne Welt bringt — sie heißt „Hans Guck-auf-den-Schirm“.

Sie waren selbst Volksschullehrer. Was halten Sie davon, dass der Struwwelpeter heute noch unterrichtet wird?
Ich finde, man kann die Geschichten vom Struwwelpeter durchaus auch in der heutigen Zeit in der Schule ansprechen. Ob es Sinn macht, weiß ich nicht, da er bereits in Vergessenheit geraten ist. Allerdings kann man das Thema anschneiden und erzählen, wie das eben früher so war und, dass speziell der Struwwelpeter nichts mit dem Aussehen, sondern mit Körperpflege zutun hat.

"Ich finde, man kann die Geschichten vom Struwwelpeter durchaus auch in der heutigen Zeit in der Schule ansprechen"

Haben Sie noch eine Botschaft an die Leserinnen und Leser?
Ich sage immer, man kann nie früh genug anfangen, Kindern vorzulesen und sollte auch nicht damit aufhören, wenn sie es selbst können. Vorgelesen zu bekommen ist ein Genuss, in den alle kommen sollten.