Klaus Otzelberger: „Stadler hört auf uns“. FPÖ-Stadtobmann Klaus Otzelberger spricht über politische Ambitionen und das Leben als Vater.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:11)
Klaus Otzelberger
FPÖ-Stadtobmann Klaus Otzelberger
Straubinger

Die „See Lounge“ am Ratzersdorfer See hat FPÖ-Chef Klaus Otzelberger (42) für das NÖN-Stadtgespräch auserkoren. Wie sich sein Leben durch seine Tochter geändert hat und wie es mit seiner politischen Karriere weitergeht, bespricht er mit der NÖN.

NÖN: Warum haben Sie diesenOrt für das NÖN-Stadtgespräch gewählt?
Klaus Otzelberger: Ich war dieses Jahr noch nicht auf Urlaub. Wenn ich hier in der „See Lounge“ bin, ist es wie Urlaub für mich. Ich genieße es hier sehr, die Seen sind unser Naherholungsgebiet.

Wie hat sich Ihr Leben durch Ihre Tochter verändert?
Vor allem für meine Frau hat sich das Leben sehr verändert, sie ist rund um die Uhr gefordert. Unser Baby ist aktiv wie der Papa. Es hat all inclusive gebucht und möchte auch rund um die Uhr die Milchbar benutzen. Ich versuche, so gut wie möglich zu helfen, die meiste Belastung liegt aber bei meiner Frau.

Wie hat sich nun Ihr Leben verändert?
Ich komme früher nach Hause und wir genießen die Zeit als Jungfamilie. Man macht sich ständig Gedanken um das Wohl der Tochter. So macht mich der Mordfall an der 13-jährigen Leonie in Wien umso mehr betroffen. Ich habe Angst, wenn ich an die Zukunft meiner Tochter denke. Viele Straffällige sind auch nach St. Pölten zugewandert.

Die neue FPÖ-Bundesspitze besteht fast nur noch aus Niederösterreichern. Bietet sich da für Sie auch eine Karrierechance?
Ich finde das sehr gut. Niederösterreich ist das größte Bundesland und daher sehr wichtig für bundesweite Wahlen. Mit Kickl, Schnedlitz und Hafenecker im Bund und mit Waldhäusl, Landbauer im Land sind wir gut aufgestellt.

Haben Sie deshalb noch einmal Ambitionen, politische Karriere zu machen?
Mein Ziel war es schon, einmal im Landtag zu sitzen. Ich bin aber hier in St. Pölten sehr gut verankert. Mein Hauptziel war es stets, Vizebürgermeister in St. Pölten zu werden. Das ist aber durch die Dominanz der SPÖ sehr schwierig.

Mein Ziel war es schon, einmal im Landtag zu sitzen. Ich bin aber hier in St. Pölten sehr gut verankert

Wie geht es mit der Bezirkspartei weiter?
Ich hoffe, dass heuer endlich die Bezirkswahlen stattfinden. Die sind schon längst überfällig. Danach werden wir die Weichen neu stellen, es wird einen neuen Kurs geben müssen.

Mit Ihnen an der Spitze?
Das wird man sehen. Ich habe jedenfalls vor, auch im Bezirk weiterhin mein Bestes für die FPÖ zu geben.

Bei der letzten Gemeinderatssitzung hat die FPÖ bei der Resolution für Tempo 100 auf St. Pöltens Autobahnen nicht mitgestimmt. Warum nicht?
Wenn man Autobahnen hat, dann sollte man auch 130 km/h fahren können. Wenn überall nur noch 80 km/h gefordert werden, brauche ich irgendwann keine Autobahnen mehr.

Wenn man Autobahnen hat, dann sollte man auch 130 km/h fahren können

Was sagen Sie den Anrainern, die neben einer Autobahn leben?
Man muss eben bessere Lärmschutzwände anbringen und in Flüsterasphalt investieren. Ob man 100 oder 130 km/h fährt, wird diesbezüglich ziemlich egal sein.

Was ist Ihre Position zur S 34?
Wenn ich in der Früh von Wagram in die Stadt will, dann stehe ich über eine Viertelstunde im Stau. Es herrscht ein Verkehrschaos. Wir brauchen eine Umfahrung. Ob die S 34 so, wie sie jetzt geplant ist, das Richtige ist, weiß ich nicht. Wir waren stets für die Ost-Variante, weil dort bereits für die S 33 ein Verkehrsknotenpunkt gegeben ist. Für die West-Variante muss man unglaublich viel zubetonieren, eine abgespeckte Version wäre sinnvoll.

Wie sehen Sie die Stimmung im neuen Gemeinderat?
Einige neue Mandatare wollen sich profilieren und glauben, das über lange Reden machen zu können. Früher war ich Redekaiser. Politik funktioniert aber anders. Besser ist, näher bei den Bürgern zu sein.

Einige neue Mandatare wollen sich profilieren und glauben, das über lange Reden machen zu können

Sind Sie von Ihrer Oppositionsrolle ein wenig abgekommen?
ÖVP und Grüne haben sich auf ein Packerl gehaut und machen Extrem-Opposition. Mit meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass es besser ist, Sachpolitik zu betreiben anstatt Extrem-Opposition. Bürgermeister Stadler hört auch ab und zu auf uns. Wir haben beispielsweise ein Polizei-Wachzimmer am Bahnhof angeregt. Das ist ebenso gekommen wie der von uns geforderte Eislaufplatz am Rathausplatz.

Oft wird behauptet, dass sich die FPÖ mit der SPÖ in einer Koalition befindet.
Nein, das ist nicht so. Wir als Kontrollpartei schauen der SPÖ genau auf die Finger und zeigen Missstände auf. Wenn es Überschneidungen gibt, stimmen wir wie andere Parteien auch zu.

Nach einer heftigen Debatte über den Rechnungsabschluss haben Sie beispielsweise mitgestimmt.
Wir haben die Verfehlungen im Rechnungsabschluss angemerkt. Es hat aber im Großen und Ganzen das Positive überwogen.