56 Rehe bei Bewegungsjagd erschossen. Bewegungsjagd der österreichischen Bundesforste im Probstwald bei Pyhra blieb nicht unbemerkt. Hohe Abschusszahl verwundert.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. Dezember 2020 (17:51)
Symbolbild
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Rund 56 Rehe wurden am Samstag im Probstwald erlegt. Das verwundert und erschüttert einige. Nicht zuletzt, da in diesem Revier die jährliche Abschussquote bereits erfüllt war. Muss man trotzdem so viele Tiere und dann noch in Form einer Treibjagd an einem Tag erlegen? Sind diese drastischen Maßnahmen gerechtfertigt?

Die NÖN hat bei den österreichischen Bundesforsten, die Eigentümer dieser Waldflächen ist, nachgefragt. Das Jagdrevier umfasst eine Fläche von rund 400 Hektar. „Die Jagd war nicht nur erfolgreich, sondern ist ausgesprochen vorbildlich abgelaufen“, betont Pia Buchner, Sprecherin der österreichischen Bundesforste.

Die Jagd auf Rehgeißen und Nachwuchsstücke ist derzeit gestattet, die Böcke befinden sich jedoch in Schonzeit. Dass man bei einer dynamischen Bewegungsjagd nicht mehr zwischen Böcken und Geißen unterscheiden kann, dementiert sie: „Bewegungsjagden werden bei Tag und guten Sichtverhältnissen durchgeführt, um eine gute Sichtbarkeit des Wildes sicherzustellen.“ Es hätte, beteuert sie, bei dieser Jagd „keinen Fehlabschuss gegeben.“ Durch das Winterhaar ließen sich Bock und Geiß gut unterscheiden: „Geißen haben eine sogenannte ,Schürze‘, eine weißes Haarbüschel am Hinterteil, Böcke erkennt man an den zwei dunklen Knöpfen am Kopf, die Stelle, an der sie das Geweih abgeworfen haben.“

Der Probstwald ist beliebtes Naherholungsgebiet bei St. Pölten, das seit jeher – und seit Ausbruch der Pandemie noch mehr als sonst – einen extrem hohen Besucherdruck aufweist – von Pilzesammlern, Spaziergängern und Gassigehern bis hin zu den Nacht-Joggern mit Stirnlampe. „Deswegen zieht sich das Wild immer mehr in den Wald zurück. Viele Wildtiere sind für den Jäger nur mehr in der Nacht sichtbar. Durch den Druck, dem das Wild ausgesetzt ist, steigt wiederum auch der Druck auf den Wald“, erklärt sie.

Die Folge: Tannen sind stark verbissen, die Eichen kommen meist erst gar nicht auf. „Hinzu kommt, dass aufgrund der hohen Wilddichte auch der innerartliche Stress hoch ist. Das zeigt sich am geringen Wildbret-Gewicht“, erläutert die Bundesforste-Sprecherin und betont: „Ziel war es daher, eine neue Form der Jagd durchzuführen - abseits des klassischen Ansitzes - waidgerecht und mit dem Ziel, wertvolles Wildbret zu gewinnen.“

Bewegungsjagden seien, so Buchner, "eine schonendere Jagdform", da die Beunruhigung für das Wild nur für einen Tag oder Halbtag andauert.

Dass eine Bewegungsjagd mit Hunden, wie Treibjagdkritiker meinen, ein großer Stress sei, verneint sie ebenso. „Terrier oder Dackel, die eingesetzt werden, können diesen Wildtieren nie gefährlich werden. Lauftechnisch sind die unterlegen.“ Durch ihr Bellen brächten sie zwar Bewegung in die Jagd, das Wild könne aber die Distanz zu den Hunden gut abschätzen.

Das niederösterreichische Jagdgesetz gibt einen Mindestabschuss vor, der zu erfüllen ist.  Im Probstwald wurde dieser bereits weitgehend erfüllt. Darüber hinaus können – entsprechende Wilddichte vorausgesetzt – auch mehr Tiere erlegt werden. Das bestätigt Bezirksjägermeister Johannes Schiesser. Zur Bewegungsjagd in Probstwald stellt aber fest, dass „die Anzahl der erlegten Tiere doch hoch ist.“  

Dieser Ansicht ist auch Walter Fuchs, Hegeringleiter für das Obere Perschlingtal: „Die Gesetze wurden hier sicher eingehalten, aber auch ich halte diese Abschusszahl auf die Reviergröße sehr hoch.“