St. Pöltens Schüler sind zurück in der Klasse. Drei St. Pöltner Direktoren von Volks- und Mittelschule sowie von einem Sonderpädagogischem Zentrum ziehen Bilanz über die zweite Etappe der Wiederöffnung.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:21)
Ein Babyelefant aus Straßenkreide hilft beim Abstandhalten vor dem Sonderpädagogischen Zentrum.
privat

„Überraschend ruhig“, beschreibt Karl Wimmer, Direktor der Neuen Mittelschule Wagram , den ersten Schultag. Der Pausenlärm habe gefehlt, statt rauszugehen seien die Kinder freiwillig in ihren Klassen geblieben. Generell erlebte er seine Schüler gut vorbereitet, konzentriert und achtsam. „In der Früh haben sie von allein Abstand gehalten, nur ein, zwei Mal musste ich etwas sagen.“

„Wir sind nicht beim Schreibtisch, wir sind sehr nahe beim Kind.“Ilona Tröls-Holzweber, Leiterin der Sonderpädagogischen Zentren Mitte und Nord

Am Montag stand an der Wagramer Schule zunächst das Aufarbeiten der letzten Wochen im Zentrum: Über das Erlebte und die damit verbundenen Gefühle sprechen, aber auch Ordnung in die Arbeitsaufträge bringen. „Schüler und Lehrer waren direkt gefordert“, erzählt Wimmer.

Zuletzt sei auch neuer Stoff hinzugekommen, etwa Englisch-Vokabeln. Die erste Woche soll dem Erklären, Wiederholen, Verfestigen und Nachreichen dienen. „Alle vorgegebenen Lehrinhalte können wir in diesem Schuljahr nicht erfüllen“, ist sich Wimmer sicher. Daher wollen er und sein Team sich auf Englisch, Deutsch sowie Mathe konzentrieren und die Abschlussklassen für weiterführende Schulen vorbereiten.

Auch für Ilona Tröls-Holzweber, Leiterin der Sonderpädagogischen Zentren Mitte und Nord , verlief der Schulstart positiv. „Die Kinder sind froh, dass sie wieder da sind“, berichtet sie.

Allerdings gebe es an ihren beiden Schulen nicht nur andere Aufgaben wie Füttern oder Wickeln, sondern auch eine andere Arbeitsweise: „Wir sind nicht beim Schreibtisch, wir sind sehr nahe beim Kind.“ Sie habe Schüler, die einen Mundschutz nicht aushalten, und wieder andere, die aufgrund einer Hörbehinderung die Mimik sehen müssen. Trotzdem bemühe sich ihr Team sehr, die Hygienevorschriften einzuhalten.

Vorerkrankungen etc.: Eltern haben Angst

Kein Toben, keine Spaziergänge und besondere Regeln für den Schulbus – diese Änderungen seien für ihre Schüler besonders einschneidend. „Aber wir finden andere Wege“, ist Tröls-Holzweber überzeugt.

Statt des morgendlichen Gesangs tönte aus den Klassen beispielsweise Musik vom Kassettenrekorder. Und statt eines komplizierten Pfeilsystems erinnere ein gemalter Virus ans Abstandhalten vor der Schule. „Unsere Kinder sind schon sehr speziell“, erzählt sie. „Wenn mein Team nicht so flexibel wäre und so großen Einsatz zeigen würde, wäre vieles nicht möglich.“

Beide Direktoren berichten zudem von Ängsten der Eltern. Sowohl an der NMS Wagram als auch an den Sonderschulen bleiben einige Kinder weiterhin zuhause. Tröls-Holzweber weiß von Vorerkrankungen sowie Schwerst- und Mehrfach-Behinderungen ihrer Schüler: „Da verstehe ich es, weil die Gefahr doch da ist und es für das Kind eine sehr große Belastung ist.“

Glöckel-Volksschule: Aufwand habe sich gelohnt

Die letzten Wochen empfand Alexandra Schiffler, Direktorin der Otto-Glöckel-Volksschule , logistisch und administrativ als echte Herausforderung. Aber der Aufwand habe sich gelohnt: „Die Kinder sind mit Herz bei der Sache und freuen sich über jeden Tag, den sie bei uns verbringen dürfen.“

Auch die Eltern erlebt sie als solidarisch und schildert eine Szene, eine Lehrerin nach Schulschluss mit Applaus begrüßt wurde. Statt der geplanten Heurigen-Garnituren ist ihr Team auf persönliche Picknickdecken umgestiegen, um sich das ständige Desinfizieren zu ersparen. Mittlerweile werden die Decken nicht nur zum Spielen, sondern auch fürs Picknick genutzt. „Da entstehen ganz liebe Sachen.“

Weder Sicherheitsabstand noch Masken seien ein Problem, allerdings müsse sie zu große Masken manchmal ersetzen. „Es hat Normal-Charakter für die Kinder“, resümiert Schiffler.