Schwierige Gastro-Zeit auch in St. Pölten. St. Pöltens Wirte kämpfen noch mit zahlreichen Herausforderungen.

Von Beate Steiner. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:58)
Leo Graf und Mitarbeiterin Birgit Kübel kontrollieren vor den Augen der Gäste den sicheren Abstand derTische.
privat

Die Gastronomen und ihre Mitarbeiter haben sich bestens vorbereitet auf den Tag, an dem sie endlich wieder ihren Gästen Speisen zu Tisch bringen, Bier zapfen und Wein einschenken dürfen. Und sie lernen, mit täglich neuen und aktualisierten Regeln umzugehen.

„Das ist ungefähr so, wie wenn du ein neues Lokal aufsperrst“, beschreibt der alteingesessene Gastronom Christian Widgruber das Feeling nach der Corona-Pause. Seit 121 Jahren betreibt seine Familie das Hotel und Restaurant Roter Hahn, „und ich hätte nicht geglaubt, dass ich so etwas einmal erlebe“.

Viele der gewohnten Gäste kommen derzeit nicht, weil sie noch in Kurzarbeit oder im Home-Office und daher noch nicht vor Ort sind, „andere sind eingeschüchtert und gehen wegen der Vorschriften nicht auswärts essen“, so Widgruber, der derzeit nicht auf seine langjährige Erfahrung beim Einkauf zurückgreifen kann. „Ich kann momentan nicht abschätzen, wie viele Leute kommen.“

Etwas leichter macht die Sache, dass die meisten Gäste reservieren. „Ich hoffe halt, dass sich das einspielt und die Leute auch künftig qualitativ hochwertige Speisen aus regionalen Zutaten schätzen“, so Widgruber, der weiterhin Speisen ausliefert.

Das macht auch Hotelier und Gastronom Leo Graf, „zumindest noch eine Woche“. Denn viele Gäste, die regelmäßig im mittags im Restaurant Graf speisen, arbeiten noch nicht täglich im Büro, und auch die Höheren Schulen sind noch geschlossen.

„Was wir nicht brauchen, sind die selbst ernannten Hilfssheriffs, die überall Regelverstöße sehen.“Leo Graf, Hotelier und Gastronom

Graf hofft jedenfalls, dass die Öffnung der Gastronomie der gesamten Wirtschaft dient. „Die Leute kaufen anderes ein, wenn sie sich danach in einem Lokal bei Kaffee oder einem Glaserl Wein entspannen können.“ Außerdem hängen viele Branchen an der Gastro – von den Weinbauern über die Bierbrauer bis zu Gemüsebauern, Fleisch-Lieferanten und Bäckern. Sie alle können mit offenen Wirtshäusern wieder durchstarten.

Einen weiteren Schub an Gästen könnte die Wieder-Öffnung der Hotellerie bringen, ist Leo Graf überzeugt. Der Bezirksvertrauensmann der Wirtschaftskammer beherbergt derzeit so gut wie keine Hotelgäste. „Die Touristen fallen aus, es gibt nur wenige, die beruflich unterwegs sind und eine Unterkunft brauchen“, so Graf. Damit fällt im Restaurant Graf auch das Frühstücksbuffet aus, „weil wir das ja vorrangig für unsere Hotelgäste hergerichtet haben“.

„Wir haben die Terrasse neu bepflanzt, die Sessel weitläufig gestellt, und auch am Samstag bis 23 Uhr geöffnet – ich bin zuversichtlich.“Alex Meder von Hotel Alfred

Im Hotel Alfred ist das beliebte Frühstücksbuffet bereits angerichtet, allerdings angepasst an die Vorschriften, zum Beispiel personalbetreut. Gebäck, Schinken und Käse werden von Hotelmitarbeitern vorgelegt, Obst- und Gemüseteller sind vorbereitet in abgedeckten Behältnissen. „Diese haben wir neu erworben“, erklärt Hotelier Alex Meder.

Wenn die Gäste zum Buffet gehen, müssen sie eine Maske aufsetzen, Einweghandschuhe liegen am Tisch. „Bei uns waren immer zahlreiche Gruppen von älteren Herrschaften. Die sind grad etwas weggebrochen“, schildert Meder die Situation.

Er ist aber zuversichtlich, dass sich in den nächsten Monaten alles einspielt und setzt auf die Dachterrasse seines Hotels und seine Speisenkarten mit sommerlichen Schmankerln: „Wir haben die Terrasse neu bepflanzt, die Sessel weitläufig gestellt, und auch am Samstag bis 23 Uhr geöffnet – ich bin zuversichtlich.“ Außerdem erhofft sich Meder vom Autokino vor dem VAZ zusätzliche Gäste, die vorm Filmschauen auf einen Drink ins Alfred kommen.

Motivierte Mitarbeiter erdulden die Masken

Die Mitarbeiter in den Gastronomie-Betrieben haben sich auf die Wieder-Öffnung der Lokale gefreut, und sind „sehr motiviert und halten sich an alle Vorschriften, natürlich auch an die Maskenpflicht, obwohl sie darunter leiden“, bestätigt Leo Graf.

Auch die meisten Gäste verhielten sich vorbildlich. Rund 95 Prozent reservieren, alle lassen sich zum Tisch geleiten, akzeptieren die Abstandsregeln. „Was wir nicht brauchen, sind die selbst ernannten Hilfssheriffs, die überall Regelverstöße sehen und sofort vernadern“, betont Leo Graf. „Die Gäste und auch die Wirte wissen, wie sie sich zu benehmen haben.“

Grundsätzlich kann nur die Polizei Regelverstöße ahnden. Wirte haben keine Handhabe gegen Gäste, die sich danebenbenehmen. Das Marktamt kontrolliert, ob „zum Wohle aller auch in diesen schwierigen Zeiten nur sichere und einwandfreie Lebensmittel auf den Markt kommen“, erklärt Marktamtsleiterin Gabriele Bertl. Der Fokus der Inspektoren liege auf Lebensmittelsicherheit. „Herausfordernd für die Lebensmittelinspektoren ist derzeit natürlich auch die Einhaltung verschiedenster Sicherheitsmaßnahmen bei den Kontrollen“, so Bertl.

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