Eva Prischl: „Müssen uns in der Politik öfter beweisen“. Politikerinnen aus der Region sind auf allen Ebenen vertreten. Aber noch nicht überall sind gleich akzeptiert.

Von Mario Kern und Thomas Werth. Erstellt am 05. März 2019 (03:03)
Josef Vorlaufer
Symbolbild

Eines haben alle Mandatarinnen aus der Region, die man fragt, gemeinsam: Sie betonen, dass es in der Politik nicht darauf ankommt, welches Geschlecht man hat. Egal, ob auf Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene, Politikerinnen sehen ihre große Gemeinsamkeit im Willen, die Rahmenbedingungen für die Bevölkerung mitzugestalten.

NOEN

„Im Gemeinderat mache ich Politik mit den Menschen der Region, im Bundesrat versuche ich, die Politik der Region in die Bundespolitik zu integrieren“, erläutert die Wilhelmsburger Gemeinderätin und Bundesrätin Eva Prischl. Für die St. Margarethner Landtagsabgeordnete Doris Schmidl ist nicht wesentlich, ob Männer oder Frauen politisch aktiv sind. „Es zählt nur, für einander einzutreten und etwas zu bewirken.“ Etwa bewirken können derzeit auf kommunaler Ebene sechs Bürgermeisterinnen und sieben Vizebürgermeisterinnen sowie fast 270 Gemeinderätinnen.

Einen Unterschied sehen auch die St. Pöltner Mandatare Renate Gamsjäger, Jennifer Köhler und Birgit Becker nicht. Becker, die vor einer Woche SP-Gemeinderat Helmut Eder nachfolgte, ist überzeugt: „Politische Kompetenz hängt von vielen Faktoren ab, aber sicher nicht vom Geschlecht.“ Dass sie nunmehr eine von neun SP-Mandatarinnen im Gemeinderat ist, sieht die 56-Jährige als „Bekenntnis zu mehr Weiblichkeit“.

Die längstdienende Mandatarin ist SP-Stadträtin Renate Gamsjäger. Aus ihrer Sicht hat sich seit ihren Anfängen vor 21 Jahren viel geändert: Frauen seien in der Politik zwar generell immer noch eine Minderheit, aber keine „Exoten“ mehr. „Früher haben viele nach meinem Mann gefragt, manche gar geglaubt, er sei der Mandatar und ich vertrete ihn.“ Wenig getan hat sich in den Augen von Eva Prischl: „Wir Frauen müssen uns in der Politik extra beweisen. Die Kritik ist hart und oft auch widersprüchlich.“ Es gebe noch viel zu tun, solange etwa Frauen „immer noch viel weniger als Männer verdienen“.

Jeweils eine Gemeinderätin sitzt für die VP und für die FP im St. Pöltner Gemeinderat. Dass nur mehr eine der neun VP-Mandatare weiblich ist, spiegele den Willen der Wähler wider, erklärt Vizebürgermeister Matthias Adl. „Wir hatten einen Vorzugsstimmenwahlkampf und Christina Veit landete als beste Frau auf dem neunten Platz.“ Jennifer Köhler von der FP ist St. Pöltens jüngste Gemeinderätin. Sie betont, dass sie sich als Frau nicht zusätzlich „durchkämpfen“ musste, sondern wie alle Kollegen ihr politisches Interesse habe zeigen müssen. „Bei mir wurde altersmäßig oder geschlechtsbezogen noch nie ein Unterschied gemacht. Aber nicht alle jungen Frauen haben dieses Glück, weil viele Männer Frauen immer noch nicht für voll nehmen.“

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