Hundehaltergesetz: Halter in der Pflicht. Hundekenner in der Region wünschen sich mehr Wissen beim Menschen – Tierheim setzt bereits jetzt auf Beratung vor Vergabe.

Von Martin Gruber-Dorninger, Max Steiner und Gila Wohlmann. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:03)
Im St. Pöltner Tierheim gibt es vor jeder Vergabe ein Beratungsgespräch, setzen Leiter Davor Stojanovic und Tierschutzverein-Obmann Willi Stiowicek (von links) bereits auf Information. Das soll auch der 15 Wochen alten Beagle-Hündin „Sindy“ zugutekommen.
Gila Wohlmann

14.000 Bewohner in der Region haben des Menschen besten Freund daheim, oder gleich mehrere. In St. Pölten und dem Bezirk tummeln sich fast 18.000 gemeldete Hunde. Einen Menschen nachweislich gebissen haben heuer 43. Dass bei der vorgeschlagenen Änderung des Hundehaltergesetzes jetzt der Halter im Mittelpunkt stehen soll, ist für die Hundeexperten in der Region sinnvoll.

Am anderen Ende der Leine würde auch Anton Schopp von der Hundeschule Ratzersdorf beginnen. Er findet zudem, es müsste die Rasse und Größe des Hundes an den Hundehalter angepasst werden. „Eine zierliche Dame mit 50 Kilogramm sollte dann beispielsweise keinen Rottweiler führen dürfen“, meint Schopp. Er spricht sich für einen Hundeführerschein aus. „Dann aber gleich für alle Hunde, denn der kleine Dackel kann ebenso zwicken wie ein Rottweiler.“

„Erziehung und Bindung minimieren Probleme“

„Schon eine gute Grundausbildung ist für die weitere Erziehung des Hundes sehr wichtig, ebenso aber auch die soziale Bindung des Tieres zu seinem Besitzer“, ist Christian Zuser, Landesausbildungsleiter für Diensthunde der Polizei, überzeugt. „So können etwaige Probleme minimiert werden.“

„Es ist besser, beim Halter anzusetzen und nicht den Hund weiter einzuschränken“, findet die private Hundetrainerin Barbara Ziegler aus St. Pölten. Wichtig sei, dass sich die Halter Hundewissen aneignen, einige könnten ihren Hund nicht einschätzen. Genaueres könne man erst nach Vorlage des Gesetzes sagen. Für Ziegler ist noch nicht klar, wie das alles umgesetzt werden kann. „Viele Leute informieren sich jetzt schon, andere werden das auch nachher wahrscheinlich nicht machen“, ist für die Hundetrainerin etwa nicht klar, wie eine Beratung kontrolliert werden kann.

Tierheim: Erfolgsquote dank Beratung

Die Beratung ist im Tierheim bereits jetzt das Wichtigste, betont Tierschutzverein-Obmann Willi Stiowicek: „Bevor wir ein Tier überhaupt vergeben, erfolgt mit dem möglichen Halter sowieso ein Beratungsgespräch. Wir reden darüber, ob die Lebensumstände für eine Haltung dieses Tieres geeignet sind und welche Eigenschaften dieses aufweist. Wir sprechen auch über etwaige Probleme. 99,9 Prozent der abgegebenen Tiere verbleiben beim Halter, ist Stiowicek stolz. Mit dem angedachten Hundepass gleich alle Unterlagen zu Hunden in einem Dokument unterzubringen, schlägt Tierheim-Leiter Davor Stojanovic vor. „Sonst sind es dann mit Impfpass und internationalem Pass schon drei.“

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