Inklusion am Arbeitsmarkt: Mit guter Arbeit integriert. Prinzersdorfer Unternehmer geht mit gutem Beispiel voran. AMS setzt heuer Schwerpunkt.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 24. April 2019 (04:42)
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Philipp Hammerl (2. v. r.) arbeitet seit August bei KWT-Logistik in Prinzersdorf. Chef Josef Teufl (2. v. l.) ist zufrieden. Über die Vermittlung freuen sich Beate Wildthan von der Caritas und AMS-Leiter Thomas Pop.

„Ich war Probearbeiten und es hat mir gleich gefallen“, erzählt Philipp Hammerl. Der 31-Jährige ist seit August bei der Firma Kühlwarentransport und -logistik (KWT-Logistik) in Prinzersdorf beschäftigt und kümmert sich um den Wareneingang und -ausgang sowie die Kommissionierung für Billa, Spar und Hofer. Besonders spannend findet er, dass er mit Leuten aus verschiedenen Ländern zu tun hat. „Gerade ist ein Lkw-Fahrer aus der Schweiz mit einer Ladung Eiskaffee angekommen. Im Lager tut sich immer was, das taugt mir“, sagt der 31-Jährige, der in Prinzersdorf wohnt.

Ganz leicht war es für Hammerl aber nicht, einen Arbeitsplatz zu finden. Denn er hat Epilepsie, nach einem Anfall muss er häufig in Krankenstand: „Ich fühle mich dann, als wäre ich einen Marathon gelaufen“, erklärt er. 2017 ging es ihm besonders schlecht, er hatte viele Anfälle, was sich auch auf die Psyche auswirkte. Mittlerweile hat er neue Medikamente und fühlt sich gut – auch wegen des Jobs.

 "Tagesroutine ist wichtig"

 Bei der Vermittlung hat Beate Wildthan, Arbeitsassistentin bei der Caritas, geholfen. Die Arbeitsassistenz ist ein Beratungsangebot für Menschen mit psychischer Erkrankung oder Lernschwächen. „Eine geregelte Tagesroutine ist wichtig, ebenso wie das richtige Mitarbeiter-Umfeld im Unternehmen“, weiß Wildthan. Mit KWT-Logistik arbeitet sie seit einigen Jahren zusammen. „Hier herrscht ein offener Umgang mit Menschen mit Behinderung. Und Geschäftsführer Josef Teufl stellt die Behinderung nicht in den Vordergrund“, erklärt sie. Josef Teufl beschäftigt in seinem Betrieb 75 Mitarbeiter, die sich auf Werkstatt, Lager und Fahrer aufteilen. Drei Menschen mit Behinderung arbeiten für ihn. „Für mich ist nicht wichtig, was im Lebenslauf steht, sondern, ob die Arbeit gut erledigt wird – die Leistung muss passen.“ Eine Chance gibt Josef Teufl Menschen mit Behinderung auch, weil er die Situation aus der eigenen Familie kennt. „Mein Neffe hat Epilepsie und seit er einen Job hat, ist er zufriedener“, erzählt Teufl.

Dass jedes Unternehmen einen anderen Zugang zu Menschen mit Behinderung hat, weiß AMS-Leiter Thomas Pop. „Zur Vermittlung sind wir deshalb auch auf die Assistenz angewiesen“, betont Pop.

Das AMS hat es sich heuer zum Ziel gesetzt, 200 Jobsuchende mit Behinderung in den Arbeitsmarkt in St. Pölten und dem Bezirk zu integrieren. 700.000 Euro werden dafür zur Verfügung gestellt. Ende Februar 2019 waren 441 behinderte Personen vorgemerkt. 24 schafften in Jänner und Februar den Einstieg.

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