Klimakrise als große Aufgabe. Verbaute Flächen, Preisdruck und der Klimawandel sind mitunter Thema – auch bei Bauern in der Region.

Von Martin Gruber-Dorninger, Nadja Straubinger und Marlene Groihofer. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:00)
Marlene Groihofer
Anna Bracher verkauft in St. Pölten am Wochenmarkt auf dem Domplatz Produkte aus eigener Herstellung: „Wir bemühen uns, nur die beste Qualität zu erzeugen.“

Einst lag ihr Betrieb inmitten von Feldern. Heute braucht es ein paar Ampelstopps, bis Anna Bracher ihre Äcker erreicht. „Die Stadt ist zu uns herausgewachsen“, sagt die Landwirtin. Gemeinsam mit Mann Bernhard betreibt sie einen Bauernhof im Norden von St. Pölten. „Es ist besorgniserregend, wie viel verbaut wird“, sagt die Viehofnerin, „nicht nur in der Stadt“. Jeder betonierte Quadratmeter fehle der Umwelt. Keiner sei rückgängig zu machen. „Was soll das in Zukunft für die Landwirtschaft bedeuten?“ Anna Brachers Hof ist einer von etwa 2.000 im St. Pöltner Stadtgebiet. Rund 3.100 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Bezirk St. Pölten – laut der letzten Erhebung im Jahr 2010. Elf Biobetriebe wurden damals in der Stadt gezählt, 227 im Bezirk. Aktuell stehen die Landwirte vor großen Herausforderungen – von Klimafolgen bis zu Preisdruck.

„Die Kunden schätzen unsere Arbeit und sind auch bereit, einen gewissen Preis dafür zu bezahlen"

Anna Brachers Familie lebt von Milchwirtschaft und Mastschweinen. Ihre Produkte vertreibt sie direkt: Eier, Fleisch, ein Käsesortiment. „Die Kunden schätzen unsere Arbeit und sind auch bereit, einen gewissen Preis dafür zu bezahlen. Dafür erwarten sie perfekte Qualität.“ Alles sei von Hand gemacht und dementsprechend aufwendig: „Ob unsere Kinder mit der Direktvermarktung weitermachen werden? Sie sehen, wie viel Zeit wir investieren. . .“.

„Vor etwa dreißig Jahren musste ich entscheiden: Höre ich auf oder fahre ich eine Schiene, wo ich direkt am Kunden bin.“

Gemeinsam mit Frau Barbara leitet Gerhard Gatterer in Ober-Grafendorf einen Ab-Hof-Betrieb: „Vor etwa dreißig Jahren musste ich entscheiden: Höre ich auf oder fahre ich eine Schiene, wo ich direkt am Kunden bin.“ Gerhard Gatterer baut Futter an, schlachtet am Hof und vertreibt Produkte vom Fleisch bis zum Cider. „Das Interesse an nachhaltigen Lebensmitteln steigt. Aber das Bewusstsein für die regionale Wertschöpfung muss weiter gestärkt werden.“ Preistreiber seien die Verwaltung, Kontrollen, die Bürokratie: „Dabei wird unsere Arbeit finanziell immer gleich bewertet.“ Sorge macht dem Landwirt auch der Klimawandel: „Bei mir im Wald ist die Fichte weg. Nun habe ich Laubbäume und andere Arten gesetzt – ich weiß ja nicht, welcher Baum in 80 Jahren Bestand haben wird.“

„Der Erntezeitpunkt kommt immer früher. Derzeit gibt es im August gar keine Ernte mehr.“

Die Klimaveränderung sieht auch Bezirkskammerobmann Anton Hieger als eine der größten Herausforderungen der Branche: „Der Erntezeitpunkt kommt immer früher. Derzeit gibt es im August gar keine Ernte mehr.“ Auch im Frühjahr gehe es vorzeitig los. Anton Hieger: „Das ist besonders für den Rübenrüsselkäfer ein Vorteil.“ Bei 17 bis 18 Grad sei er aktiv und könne in einem Tag ein ganzes Feld abräumen. Auch der Borkenkäfer profitiert von Trockenheit und Wärme. Schwer habe es heuer das Grünland erwischt, weiß Hieger: „Es herrscht Futternot, viele Landwirte haben Silomais zugekauft und eingelagert. Das kann aber nur eine Überbrückungsmaßnahme sein.“ Die Erträge seien sehr unterschiedlich – bei schlechteren Böden habe sich die Trockenheit bemerkbar gemacht. Auch ein großer Preisdruck herrsche im Moment: „Besonders bei Getreide und Zuckerrübe.“

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