Der Pionier der feinen Gasse geht. Anton Figl schließt sein Geschäft für Antiquitäten und Kunst in der Schreinergasse.

Von Beate Steiner. Update am 11. Dezember 2019 (10:37)
Anton Figl
Klasan

Edle Teppiche am Boden, darauf wuchtige Bauernmöbel, Sekretäre mit Intarsien, an der Wand Skulpturen und wertvolle Bilder: Anton Figl hat wohl einen der schönsten Arbeitsplätze in der Innenstadt. Der Hausherr sitzt am massiven, herrschaftlichen Holztisch in seinem Antiquitätengeschäft. „Nur mehr bis längstens Mitte nächsten Jahres“, bestätigt das Urgestein der St. Pöltner Wirtschaft Gerüchte, dass er in Pension gehe und das Geschäft schließe. Eine Schreinergasse ohne Antiquitäten Figl scheint undenkbar. „Ist sie doch“, sagt der 74-Jährige. „Wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf.“

Die Erfolgstür für die Schreinergasse ist Mitte der 1990er-Jahre aufgegangen, als Doris und Anton Figl gemeinsam mit dem Galeristen Karl-Heinz Maringer und anderen Schreinergasslern die feine Gasse zum ersten Innenstadt-Grätzl machten – mit regelmäßigen Festen und Aktionen. „Wir haben sogar Bälle für unsere Kunden und Freunde organisiert“, erinnert Anton Figl auch an die vielen Aktionen, die die Gasse hübscher machten und bei denen Doris Figl vorne mit dabei war: „Qualität war uns immer wichtig. Wir haben die Bäume selbst gezahlt, diese zu Weihnachten mit Packerln behängt, zu Ostern echten Rasen aufgelegt.“

„Qualität war uns immer wichtig.“ Anton Figl, Antiquitätenhändler

Von den „alten“ Schreinergassenkaufleuten ist nur noch Anton Figl vor Ort – und das seit den frühen 1980er Jahren. Mit Antiquitäten gehandelt hat der studierte Diplomkaufmann allerdings bereits in den 1960er-Jahren. „Ich hab‘ schon mit 16 in unserem Urlaubsort in Osttirol erste Bauerntruhen gekauft, hab‘ mir mein Studium mit Handel verdient.“

Im Bauernhaus und online geht es weiter

Endgültig in den Handel mit Antiquitäten ist Anton Figl eingestiegen, nachdem er das Ledergeschäft seiner Eltern und seine FloFlo-Boutiquen geschlossen hatte. „Ich hatte von Anfang an tolle Kunden. Einigen habe ich ganze Häuser vollständig eingerichtet. Manchen sogar mehrmals.“ Das hat sich in den letzten Jahren verändert. „Die Einrichtungsstile haben sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Ich glaube, dass viele Leute lieber auf Flexibilität und die Möglichkeit zur schnellen Veränderung setzen und zunehmend weniger in Langlebigkeit und solides Kunsthandwerk investieren“, weiß der Antiquitäten-Profi. Sein Wissen wird glücklicherweise nicht ganz verloren gehen, bietet er doch nach der Schließung seine schönen Stücke über die Website und von seinem Bauernhaus aus an.

Bis es aber soweit ist, verwöhnt Anton Figl seine Kunden mit Sonderangeboten.