Beruf mit viel Emotion: Wie sieht es mit der Pflege in St. Pölten aus?

Erstellt am 01. November 2022 | 05:57
Lesezeit: 4 Min
Genug würden in der Stadt in der Pflege arbeiten wollen, aber das System kränkelt.

Fünfmal die Woche kommen Mitarbeitende der Caritas bei Eveline Prochaska vorbei und helfen ihr bei der Körperpflege, beim Gießen, beim Aufhängen der Wäsche etc. „Jede einzelne Person, die kommt, bereichert meinen Alltag“, erzählt die 81-Jährige.

Der Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger Lukas Grüner freut sich ebenfalls, wenn er bei der St. Pöltnerin vorbeischaut. Denn seinen Job macht er gerne, und das seit über zehn Jahren. Trotzdem betont er: „Nur weil wir gerne arbeiten, heißt das nicht, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen brauchen.“

Es brauche mehr Geld und mehr Personal, wobei ersteres zweiteres Problem lösen würde, glaubt Grüner. „Wir nehmen uns den ganzen Tag die Last der Menschen zu Herzen und dann müssen wir auch noch schauen, wie wir über die Runden kommen.“ Er findet es schade, dass es eine Pandemie gebraucht hat, um Probleme aufzuzeigen, die es schon seit Jahren geben würde. Prochaska stimmt ihm zu: „Die Pflege sollte aufgewertet werden.“

Trotzdem würde Grüner jedem, der sich das überlegt, empfehlen, in die Pflege zu gehen, denn es sei ein wahnsinnig bereichernder und sicherer Beruf.

Andrang auf Pflegeausbildung

Die Caritas warnt davor, die Pflege „kaputtzureden“: „Ja, wir sind in einer Pflegekrise, ja, es fehlt massiv an Personal, ja, die Politik muss – auch nach der präsentierten Pflegereform – handeln. Das Wichtigste aber: Ja, unsere Pflegekräfte arbeiten sehr gern in der Pflege.“

Das zeigt sich nicht zuletzt in der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen: Das BiGS der Caritas freut sich heuer über fünf Prozent mehr Schülerinnen und Schüler. Wenn sich die Ausbildungsprämie und der NÖ Bildungsscheck für die Ausbildung zur Pflegeassistenz und zur Heimhilfe noch mehr herumgesprochen haben, werde der Andrang noch größer werden, glaubt die Caritas.

Auch in der FH gibt es genug Interessierte. So viele, dass mit heuer der Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege nicht nur im Winter-, sondern auch im Sommersemester startet. Außerdem bietet die FH mit dem Lehrgang Gesundheits- und Krankenpflege Plus eine Zusatzausbildung für präklinische Versorgung und Pflege an.

Das Land Niederösterreich verweist auf die derzeitigen Anmeldefristen für die Ausbildung zur Pflegeassistenz oder Pflegefachassistenz mit Beginn Februar 2023 in St. Pölten. Interessierte können sich bei der MAG Menschen und Arbeit GmbH unter 02742/9005-19200 melden, um für das Aufnahmeverfahren berücksichtigt zu werden.

Immer mehr Pflegebedürftige kommen

Um gut 25 Prozent hat sich der Personalstand bei der Volkshilfe in St. Pölten in den vergangenen Jahren vergrößert. 118 Mitarbeitende sind in den Bereichen Heimhilfe, Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz, in der Diplomkrankenpflege und der Sozialen Alltagsbegleitung tätig. Das Unternehmen tue einiges, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, erklärt die Ressortleiterin für Dienstleistungen Maria Panzenböck-Stockner.

Auch im stationären Bereich sind keine Klagen über Personalnotstand zu hören: Sowohl im von der Caritas geführten Pflegeheim St. Elisabeth als auch im Landespflegeheim „Haus an der Traisen“ sei die Fluktuation für die Branche gering.

Trotzdem fehlen nach manchen Berechnungen bis 2030 bis zu 76.000 Fachkräfte in diesem Bereich. Das liegt vor allem auch an der sich ändernden Demografie: „Die Gesellschaft wird immer älter, es braucht immer mehr von uns Pflegekräften“, so Grüner.

Über die brennenden Fragen wie Bezahlung, Anerkennung, Risiko etc. diskutiert Pflegepersonal mit Arbeitnehmer-Vertretern sowie der Leiterin des FH-Studiengangs bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion am Dienstag, 4. Oktober, um 19 Uhr im NÖ Pressehaus. Sie bildet zugleich den Abschluss des Schwerpunkts Gesundheit. Kommendes Monat dreht sich alles ums Klima.