St. Pölten macht Schule: Überblick über die Bildungsmöglichkeiten

Erstellt am 14. August 2022 | 05:49
Lesezeit: 4 Min
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Bei Events wie dem „Young Campus“ stellt sich die FH Jugendlichen als mögliche zukünftige Hochschule vor.
Foto: FH St. Pölten/ Carola Berger
Der dieswöchige Schwerpunkt widmet sich den Bildungsmöglichkeiten in der Stadt.

18.763 Schülerinnen und Schüler besuchten 2020 St. Pöltens primäre und sekundäre Bildungseinrichtungen. St. Pölten ist Schulstadt, das bekommen die Kinder schon in der Volksschule beigebracht.

Im letzten statistischen Jahresbericht für das Jahr 2020 ist von 18 Volksschulen, elf Mittelschulen, der Polytechnischen- sowie Sonderschule, zwölf Fachschulen sowie zehn Höheren Schulen die Rede. Außerdem werden noch die Landesberufsschule sowie einige Lehrwerkstätten angeführt.

´WIFI greift mit ÜBA Jugendlichen unter die Arme

Aber egal, was für eine, am wichtigsten sei, überhaupt eine abgeschlossene Ausbildung zu haben, erklärt WIFI-Fachbereichsleiter Wolfgang Haider. Während das WIFI vor allem eine Erwachsenen- und Weiterbildungsinstitution ist, lernen dort auch viele Jugendliche. In den vergangenen zwei Kursjahren haben jeweils 1.896 beziehungsweise 1.863 Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren eine Ausbildung am St. Pöltner Standort absolviert: etwa das Nachholen des Pflichtschulabschlusses, die Lehrlingsakademie oder Lehre mit Matura.

Durch die ÜBA (Überbetriebliche Ausbildung) ist das WIFI theoretisch auch einer der größten Lehrlingsausbilder. Hier wird Jugendlichen, die am ersten Lehrlingsmarkt nicht Fuß fassen konnten, unter die Arme gegriffen – von der Wahl der Lehre bis zur Vermittlung in einen Betrieb. Über 200 Jugendliche sind vergangenes Jahr über das WIFI in die ÜBA eingegliedert gewesen, die Erfolgsquote – also der Lehrabschluss – liegt bei 80 Prozent.

Wichtig ist, einmal herauszufinden, was die Erwartungen sind: „Die Jugendlichen kommen immer noch mit den Vorstellungen Kfz-Mechaniker und Bürokauffrau“, erklärt Haider. Derweil werden alleine in der ÜBA über 90 Lehrberufe angeboten. AMS-Geschäftsstellenleiter Thomas Pop ergänzt: „Derzeit können Jugendliche aus vielen Branchen ihren Lehrberuf wählen – der Bedarf besteht faktisch in allen Bereichen.“ 87 offene Lehrstellen gibt es momentan in der Stadt.

In dieselbe Kerbe schlägt die Spar-Zentrale, wo zahlreiche Lehrlinge ausgebildet werden: „Lange Zeit gab es zu wenige Ausbildungsplätze für Jugendliche, doch das hat sich geändert. Die Jugendlichen suchen sich mittlerweile aus, wo sie ihre Ausbildung beginnen.“

Leider kämpfe die Lehre aber immer noch mit einem Imageproblem, schildert Haider vom WIFI. Dabei sei sie eine gute Ausbildung und biete die Grundlage für vieles weitere.

St. Pölten als Ausbildungshub

Am WIFI außerdem angesiedelt sind die HTS sowie die NDU. Letztere macht St. Pölten gemeinsam mit der Fachhochschule sowie der Bertha-von-Suttner-Privatuniversität zur Hochschulstadt. Über 3.700 Studierende zählt die FH, über 600 die NDU. Nach St. Pölten würden die Studierenden aber nicht wegen der Stadt, sondern wegen der angebotenen Studiengänge kommen, informiert die ÖH-Vorsitzende der FH Carola Berger. Nur rund zehn Prozent der Studierenden würden in der Stadt auch leben.

Für Lehrlinge ist St. Pölten durchaus ein Hotspot, heißt es beim WIFI. Die Vielfalt und große Auswahl an Betrieben sorgt dafür, dass St. Pölten ein absolutes Einzugsgebiet für Lehrlinge und generell Jugendliche in der Ausbildung ist. Pendelströme nach Wien gibt es in diesem Bereich kaum.

So groß ist die Auswahl, dass die Wahl schon schwerfallen kann. Dafür gibt es beispielsweise den Talentecheck oder das Berufsinformationszentrum des AMS.

Ein Wegweiser für verschiedenste Jugendthemen ist auch die Jugendinfo mit Standort in der Kremser Gasse. Bei den Jugendlichen, die sich zu Bildungsthemen persönlich informieren, würde es oft „ein bisschen holpern“, wie Nadine Hasenzagl das formuliert. Hier gehe es dann darum, den jungen Menschen ihre Kompetenzen aufzuzeigen, die sie selbst oft gar nicht sehen würden. Und zwar die, die sie außerhalb des Bildungssystems erworben hätten.

„Was heißt das eigentlich, wenn ich Fußballtrainer bin oder babysitte? Dadurch erwerbe ich mir ja Fähigkeiten“, erklärt Hasenzagl. „Wir legen dann gemeinsam mit den Jugendlichen Listen an, damit sie sehen, was sie eigentlich können.“ Über diese Listen wird dann geschaut, was ihnen leichtfällt, was sie interessiert und in welche Richtung eine Ausbildung gehen könnte.

Oft gehe es auch darum, hinter die Anfragen zu schauen, erklärt Virna Hadziosmanovic von der Jugendinfo, „nicht, wieso hast du die Schule abgebrochen, sondern was braucht es, damit du dich dort wohlfühlst?“

Nächster Schritt nach der Ausbildung ist der Einstieg ins Berufsleben und der Weg in die Selbstständigkeit mit der ersten eigenen Wohnung. Damit beschäftigen wir uns kommende Woche in unserer Schwerpunkt-Serie „Jung sein in St. Pölten“.