Mit der Sucht nicht alleine. Weil das Zocken fast sein Leben ruinierte, gründete St. Pöltner Gruppe.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 19. April 2019 (15:57)
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Alle, für die das Spielen zur Krankheit wird, finden in der Selbsthilfegruppe am Kalvarienberg eine Möglichkeit zum Austausch.

Lange Zeit wollte sich Gerhard Eichinger nicht eingestehen, dass er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat. Wenn er im Glücksspiel-Lokal sitzt, vergisst er die Welt um sich. Der St. Pöltner ist spielsüchtig. 20 Jahre lang steckte er sein gesamtes Geld in Automaten – bis alle sozialen Kontakte und sogar seine Wohnung weg waren. „Ich habe alles verspielt“, meint der heute 63-Jährige, der anderen dieses Schicksal ersparen will.

Mittlerweile hat er seine Krankheit einigermaßen im Griff. Nachdem ihn die Spielsucht auf die Straße gebracht hatte, fand er Hilfe bei der Emmaus-Gemeinschaft, begann eine Therapie und zog schließlich in eine neue Wohnung. „Dafür will ich etwas zurückgeben“,
erklärt Eichinger, der seit zwei Jahren als Freiwilliger bei Emmaus hilft. Um anderen Spielsüchtigen Mut zu machen und eine Plattform zum Austausch zu bieten, gründete der Pensionist, der sich selbst nach wie vor in Therapie befindet, eine Selbsthilfegruppe.

„Es gibt Menschen, die süchtig nach Automaten-Spielen sind, andere nach Wetten, dem Internet und Videospielen.“ Gerhard Eichinger

Jeden Mittwoch einer geraden Kalenderwoche treffen einander Betroffene zwischen 16.30 und 18 Uhr im Tageszentrum am Kalvarienberg. Besucht wird die Selbsthilfegruppe von Jugendlichen bis zu älteren Menschen. Diese teilt Eichinger in drei Gruppen ein: „Es gibt Menschen, die süchtig nach Automaten-Spielen sind, andere nach Wetten, wieder andere nach dem Internet und
Videospielen.“

Bei den Treffen geht es dem 63-Jährigen nicht darum, Ratschläge zu erteilen. „Ich bin ja kein Therapeut.“ Vielmehr soll die Gruppe den Teilnehmern eine Möglichkeit bieten, ihr Herz auszuschütten. „Ich kenne das von mir selbst. Wenn man einen Rückfall hatte, tut es gut, darüber reden zu können. Wenn man es lange ohne zu spielen ausgehalten hat, teilt man das auch gerne“, weiß Eichinger.

Besuchen kann die Gruppe ohne Voranmeldung jeder, für den das Spielen zum Problem wird oder wurde.