Aufregung um Sellner-Besuch in St. Pölten. Für „Die Österreicher D05“ warb das ehemalige Aushängeschild der Indentitären. Zuhörer war auch ein FPÖ-Funktionär.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 30. Juni 2020 (15:53)
Martin Sellner lief einer Gruppe der „Gutmenschen St. Pöltens“ hinterher.
Gutmenschen

Als patriotische Sammlungsbewegung bezeichnet sich die Gruppe „Die Österreicher D05“. Als Fürsprecher war nun Martin Sellner nun auf Besuch in St. Pölten. Er wurde als Sprecher der mittlerweile als rechtsextrem eingestuften Identitären bekannt und durch eine Spende, die er vom späteren Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant erhalten hatte.

Wind bekamen davon die „St. Pöltner Gutmenschen“. Sie brachten in Erfahrung, dass die Veranstaltung in einem Wirtshaus im Westen der Stadt hätte stattfinden sollen und riefen auf ihrer Facebookseite auf, den Wirten davor zu warnen. Dutzende Anrufe veranlassten den Gastwirt dann zu einer Absage. „Dafür sind wir dann zu ihm essen gegangen“, erklärt ein Sprecher der Gutmenschen. Der Wirt sei schlussendlich froh über die Absage gewesen.

Bei einer Bushaltestelle kam es sogar zur Begegnung der Gutmenschen-Gruppe mit Sellner und zwei D05-Unterstützern. „Sellner rannte unserem Auto nach und filmte uns“, so der Sprecher. Die Veranstaltung hat Sellner dann kurzerhand in ein anderes St. Pöltner Lokal verlegt. Dort unter den Zuschauern war auch Johann Krendl, Obmann des FPÖ-Seniorenrings. „Ich war dort als Privatmensch und habe mich weder als FPÖ- noch als Seniorenring-Funktionär vorgestellt“ erklärt er. Er habe sich einfach selbst ein Bild von Sellner machen wollen. Vom Auftritt habe er zufällig erfahren. FPÖ-Chef Klaus Otzelberger sieht darin kein Problem, solange sich Krendl nicht in anderen Bewegungen politisch engagiere.

Trotz mehrmaliger Versuche der NÖN-Redaktion, wurde die Pressestelle von „Die Österreicher D05“ nicht für eine Stellungnahme erreicht