Beratung für Täter: Gewalt geht von Männern aus. Herbert Oswald kennt die Gründe für Ausraster und erklärt, wie man Situationen vermeidet.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 25. Februar 2020 (03:52)
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APA (Symbolbild/dpa)

Über 85 Prozent der Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität sind laut Kriminalstatistik männlich. Darin zusammengefasst sind alle vorsätzlichen strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die Freiheit und gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung. „Das ist also ein Männerthema“, fasst Gewaltberater Herbert Oswald die Erkenntnisse und seine eigenen Erfahrungen zusammen. Der St. Pöltner arbeitet seit 13 Jahren mit Männern und Burschen, die Gewalt ausüben, darunter auch in einem Wohnheim für psychisch kranke Männer und geistig abnorme Rechtsbrecher der Emmausgemeinschaft. Wie man damit umgeht, gibt er auch in Vorträgen weiter .

Herbert Oswald ist Gewaltberater und gibt in seiner St. Pöltner Praxis Ratschläge.
privat

Auslöser gewalttätiger Handlungen sind meist Situationen, in denen der Mann die Kontrolle verliert, erklärt Oswald: „Er fühlt sich dabei ratlos, ohnmächtig, weiß in der Situation nicht mehr weiter und will diese Gefühle nicht haben.“ Der Täter fühlt sich in die Ecke gedrängt und sieht Gewalt als einzige Möglichkeit um die „Kontrolle“ wiederzuerlangen. Buben beobachten diese Handlungen beim Vater, beim älteren Bruder oder anderen männlichen Vorbildern. Das entspreche dem Verhalten eines traditionellen patriarchalen Männerbildes und durch dieses Vorleben wird es an die nächste Generation weitergegeben. Gewaltbereite Männer zeigen oft ein übermäßiges Konkurrenzdenken und sie misstrauen auch vielen Menschen. Ist einmal eine Grenze übersprungen, dann glauben sie, sich nur mehr mit Gewalt helfen zu können. Drogen und Alkohol senken diese Grenzen noch zusätzlich und es kommt schneller und intensiver zu Gewaltausübungen.

Nach einer handfesten Auseinandersetzung kommt Oswald als Berater ins Spiel. Die meisten Männer sind auf richterliche Anordnung bei ihm. „Täter sehen sich selbst nicht als Täter. Oft sagen sie, dass sie gekränkt wurden und sich nur gewehrt haben. Sie geben also die Verantwortung ab.“

In Beratungen soll dem Mann aufgezeigt und mit ihm erarbeitet werden, wie er es schafft, gewaltfrei zu leben. Dabei sei vor allem der Faktor Zeit entscheidend. „Kurz eine Runde gehen, kann helfen, eine Gewalttat zu verhindern“, so Oswald. Das gelte auch für den Konfliktpartner. Sollte Gewalt angedroht werden, ist es ratsam, den Streit sofort um eine bestimmte Zeit zu verschieben und das auch mitzuteilen. „Lass uns in einer halben Stunde noch einmal darüber sprechen“, wäre laut Oswald ein geeigneter Satz.