Christoph Gurk: „Ein großer Tusch zum Auftakt“. Christoph Gurk will durch Kulturschwerpunkt Image St. Pöltens verbessern. Er sieht Potenzial.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:16)
Christoph Gurk
Konstantin Mikulitsch

Seit einem halben Jahr steht Christoph Gurk als künstlerischer Leiter für die Kulturhauptstadt 2024 fest. Mit dem Begriff „Kulturhauptstadt“ ist er nicht glücklich, im Gespräch mit der NÖN erklärt er warum und erzählt, wie der Kunst- und Kulturschwerpunkt in drei Jahren aussehen wird.

NÖN: Was ist von Ihrem Bewerbungskonzept übrig geblieben?
Christoph Gurk: Wir prüfen gerade logistisch und finanziell, was von meinen Ideen tatsächlich umsetzbar ist. Es schaut erstaunlich gut aus.

Was kann St. Pölten bieten?
Als ich das Papier verfasste, kannte ich St. Pölten noch nicht gut und musste ein wenig im Nebel stochern. Inzwischen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es eine erstaunlich breit aufgestellte Landschaft von Kultureinrichtungen gibt. Viele dieser Institutionen werden von Menschen geleitet, die ich als Gesprächspartnerinnen wirklich anregend finde. Es gibt mehrere Theater, einen Kulturbezirk im Regierungsviertel, eine lebendige freie Szene und in der Gründung befindliche Einrichtungen wie Kinderkunstlabor und die sanierte Ehemalige Synagoge. St. Pölten hat nicht unbedingt den Ruf, eine Kulturmetropole zu sein. Es wird nicht genügend gewürdigt, was hier los und möglich ist. St. Pölten hat ein Selbstdarstellungsproblem. An diesem Image müssen wir arbeiten.

„Viele dieser Institutionen werden von Menschen geleitet, die ich als Gesprächspartnerinnen wirklich anregend finde.“ Christoph Gurk

Was wird das Kulturhauptstadtjahr 2024 daran ändern?
Mit dem Begriff „Kulturhauptstadt“ sind wir nicht glücklich. Ich halte es für sinnvoll, unser Vorhaben nicht als Nachfolgeprojekt einer letztlich nicht erfolgreichen Bewerbung um die „Kulturhauptstadt Europas“ zu kommunizieren. Damit bringen wir uns unnötig in Konkurrenz zu dem, was auch immer in Bad Ischl geschehen wird. Was wir machen, ist eine Feier von Kunst und Kultur. Natürlich werden wir an die vielfältigen Ideen anknüpfen, die während der Bewerbungsphase entstanden sind. Aus all dem soll etwas entstehen, das Zukunft hat. 2024 ist nicht der Abschluss dieser Prozesse, sondern ein Anfang.

Gibt es schon erste Eckpunkte?
Wir werden Ende April 2024 einen großen Tusch zum Auftakt machen und bis Mitte Oktober ein vielfältiges Programm für die ganze Bevölkerung auf die Beine stellen.

Es wird daher drei Schwerpunkte geben. Jeweils mit einem klaren zeitlichen Fokus von zehn bis 14 Tagen

Welche Programmstrategie werden Sie verfolgen?
Es ist nicht zu erwarten, dass Leute aus Wien, Linz, Salzburg und aus dem benachbarten Ausland alle zwei Wochen nach St. Pölten kommen. Es wird daher drei Schwerpunkte geben. Jeweils mit einem klaren zeitlichen Fokus von zehn bis 14 Tagen. Das ganze halbe Jahr hindurch wird ein groß angelegter Ausstellungsparcours mit zeitgenössischer bildender Kunst sein, der die Besucher durch das Stadtgebiet von St. Pölten führen wird. Parallel werden wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine Reihe von Projekten entwickeln. Die Bürger sollen auch gestaltender Teil des Festivals sein.

Wie werden diese Schwerpunkte aussehen?
Da wird es in gemeinsamer Anstrengung der lokalen Kulturinstitutionen zu einer hohen Veranstaltungsdichte kommen. Der erste Schwerpunkt wird sich mit der Geschichte von St. Pölten als Industriestadt und mit dem Strukturwandel der Region in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimawandel beschäftigen. Der zweite Themenschwerpunkt wird Ende Juni starten und sich mit Migration und Rassismus beschäftigen. Die jüdische Geschichte St. Pöltens steht im Vordergrund. Dritter Schwerpunkt ist dann im September das Thema Demokratie und ihre Gefährdungen. Es wird dann viel Theater zu sehen sein, auch weil an den Häusern im Herbst die Spielzeit wieder beginnt.