St. Pölten

Erstellt am 14. März 2018, 05:52

von Lisa Röhrer

Führerschein-Schummler beim Theorie-Test ertappt. Sieben Mal fielen technische Tricks in der Stadt bereits auf.

Manipulationen von Führerscheinprüfungen deckte Hubert Lang von der LPD auf. Von Rudolf Slamanig, Edith Sulzbacher und Karl Perchthaler wurde er dafür geehrt.  |  NOEN, LPD

Mit einem Knopf im Ohr und Kamera in der Brille oder Handy-Hilfe wollten auch in St. Pölten schon Führerscheinanwärter durch die Prüfung. Zwei ertappte die Landespolizeidirektion, die die Prüfungsaufsicht beim Theorie-Test übernimmt, im letzten Jahr, heuer gab es bereits fünf Fälle. „Das ist also kein rein oberösterreichichisches Problem“, spielt Fahrschul-Fachvertreter Richard Mader auf das aufgeflogene Schummel-Netzwerk an.

Richard Mader schaut den Prüflingen genau auf die Finger.  |  privat

Hautnah miterlebt hat Mader einen Schummel-Versuch auch schon in seiner Fahrschule. „Ein Kandidat hat mit mehreren Handys gearbeitet. Mit einem hat er die Prüfung gefilmt, mit einem anderen wollte er sich einsagen lassen“, erinnert sich der „Sauer“-Chef. Die Prüfung wurde abgebrochen, der Kandidat flog hochkant raus.

Mehr konnte Mader nicht tun. Denn das Führerschein-Gesetz sieht keine Konsequenzen für Schwindler vor. „Die LPD regt aber beim Innen- und beim Verkehrsministerium die Änderung an. Unsere Aufsichtsorgane und die Fahrschulleiter wurden für das Problem sensibilisiert“, berichtet Karl Perchthaler von der LPD.

„Können gleich wieder antreten“

Das Problem kennt auch Markus Polivka, der in der Fahrschule in der Kremser Landstraße für die Tests zuständig ist: „Bei uns hat es zwei Vorfälle gegeben. Beim nächsten Mal konnten die Kandidaten aber wieder antreten“, ärgert sich Polivka. Der Gesetzgeber sei gefordert, für strengere Konsequenzen bei Schummel-Versuchen zu sorgen.

Bereits „mafiöse Ausmaße“ hat das Schummeln für Michael Mayer angenommen. Das Führerscheingesetz stamme aus dem Jahr 1997. „Es ist dringend nötig, das zu erneuern.“

Mader fordert nach einem Betrugsversuch eine Sperre von 18 oder 24 Monaten. „Außerdem sollte es möglich sein, den Test in mehreren Sprachen abzulegen“, meint der Fahrschul-Vertreter. Denn auch sprachliche Schwierigkeiten sorgten für Betrugsversuche. „In Deutschland kann man die Prüfung in 30 Sprachen machen, bei uns sind es nur vier.“ Das sei ein massives Problem. „Leute kommen nach Österreich und brauchen, um am Arbeitsmarkt bestehen zu können, den Führerschein. Weil sie die Fragen nicht verstehen, schummeln sie“, sieht hier Mader einen der Gründe.