Gedenken an Pionierin Hedwig Katschinka . Hedwig Katschinka war Österreichs erste Frau mit einem TU-Doktorat. Jetzt widmet ihr die Stadt eine Tafel.

Von Beate Steiner. Erstellt am 20. Juni 2019 (19:02)
der Ausstellungkoje ihrer Mutter beim „100-Jahr-Jubiläum des Frauenstudiums“ in Graz.
Herwig und UlrichChristalon vor derAusstellungskoje ihrer Mutter beim „100-Jahr-Jubiläum des Frauenstudiums“ in Graz.

Erst seit 100 Jahren haben Frauen das Recht an Technischen Universitäten zu studieren. Hedwig Katschinka, geboren 1901 in St. Pölten, war eine der ersten, die das Studium der Technischen Chemie in Wien inskribierte und 1925 mit sehr gutem Erfolg abschloss und als allererste Frau Österreichs zur Doktorin der technischen Wissenschaften promovierte. Allerdings in Graz, denn in der Bundeshauptstadt war in den 1920er-Jahren ein Doktoratsstudium für Frauen noch nicht möglich.

Die Landeshauptstadt St. Pölten wird der 1988 verstorbenen akademischen Pionierin eine Gedenktafel widmen, an ihrem Grabmal auf dem St. Pöltner Friedhof.

Frauenschicksal im vorigen Jahrhundert

Hedwig Katschinka war zwar Vorreiterin bei ihrer akademischen Ausbildung, der Tochter des damaligen technischen Leiters der St. Pöltener k.u.k. Bahnwerkstätte in Wörth Albin Katschinka widerfuhr dann allerdings das für die damalige Zeit typische Frauenschicksal, erzählt ihr Sohn Herwig Christalon: „Einerseits waren in der Weltwirtschaftskrise die Berufschancen für Frauen von vornherein desolat, andererseits kamen die offensichtliche Diskriminierung von Frauen und ein despektierlicher Umgang mit ihnen in hochtechnischen Berufen in den Betrieben dazu.“

NOEN

Hedwig Katschinka zog sich zunächst in den elterlichen und später ehelichen Haushalt zurück und übte keinen Beruf aus. Sie widmete sich der Erziehung ihrer beiden Söhne, war sie doch auch in humanistischen Fächern sehr beschlagen.

„In den Ferien lernte sie mit uns Latein, las mit uns Cäsar, als Vorbereitung für den Schulunterricht“, erinnert sich der ehemalige St. Pöltner VP-Stadtrat Herwig Christalon. Er ist wie sein Bruder, der ehemalige Bürgermeister von Dürnstein, promovierter Jurist: „Leider konnte unsere Mutter nicht mehr miterleben, dass ihre beiden Söhne durchaus erfolgreich in ihren Heimatorten in die Kommunalpolitik einstiegen.“