„Gutmenschen“ fordern Zivilcourage. St. Pöltner bauten vor Bahnhof „Überwachungsscanner“ auf, als plakative Kritik an Panikmache und „Hetze auf Minderheiten“.

Von Mario Kern. Erstellt am 24. April 2018 (04:59)
Überraschten am Freitag frühmorgens Passanten und Pendler mit ihrem „Überwachungscanner“, mit dem sie gegen Panikmache mobil machen wollten: Oskar Beneder, Ingrid Wittchen, Clara Beneder, Max Wallner, Gregor Unfried und Dominik Paireder. Ihre Aktion planten sie bewusst am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers.
NOEN, privat

Als Sicherheitskräfte verkleidet waren die „St. Pöltner Gutmenschen“ am Freitag Früh vor dem Bahnhof im Einsatz. Passanten führten sie durch einen „Scanner mit Überwachungskameras“ und fragten nach, ob sie etwas von einer Massenschlägerei mitbekommen hätten und sich am Bahnhof unsicher fühlten. „Wir wollten damit demonstrieren, wie sich totale Überwachung anfühlt“, erläutert Mitglied Dominik Paireder.

Mit der Aktion beziehen sich die „Gutmenschen“ auf die von einer Tageszeitung kolportierten Massenschlägerei am Bahnhof Anfang April, zu der es aber nicht einmal eine Anzeige gibt, wie die Polizei versichert. „Natürlich hat niemand die Schlägerei gesehen, weil sie ja gar nicht stattgefunden hat“, betont Paireder. Lange lief die Aktion allerdings nicht – die verkleideten „Gutmenschen“ wurden nach kurzer Zeit von der Polizei gebeten, den Platz zu verlassen.

„Mit Wut und Angst soll man keine Politik machen. Die Hetze auf Minderheiten ist untragbar“, sieht Paireder auch FP-Stadtrat Klaus Otzelberger mitverantwortlich. Er habe für den Zeitungsbericht die Frauen, die die Massenschlägerei beobachtet haben wollen, an die Tageszeitung vermittelt. Die „Gutmenschen“ kreiden dem FP-Stadtrat an, gezielt Panikmache zu betreiben, um eine Legitimation „für die totale Überwachung zu erwirken“.

Otzelberger: „Keine totale Überwachung“

Das will Klaus Otzelberger nicht gelten lassen. „Da gibt es keine gezielte Panikmache. Die Damen hatten mich angerufen und sind auch bereit, eidesstattlich ausszusagen.“ Die Sicherheitslage sei nicht mehr so wie früher, ist Otzelberger überzeugt. Er fordert eine Überwachung des Bahnhofs, habe aber keine „totale Überwachung“ im Sinn. Die Aktion der „Gutmenschen“ nennt er „lächerlich“.

Die erstmals bei der Großdemonstration in Wien gegen die Regierung im Jänner aktiven „Gutmenschen“ lassen sich davon nicht beirren. Die Gruppe hofft auf „St. Pöltner, die durch weitere Aktionen Zivilcourage beweisen wollen“.