St. Pölten

Erstellt am 15. Januar 2019, 04:21

von Beate Steiner

Handel: „Herausforderung können wir stemmen“. Trotz verzerrter Wettbewerbsbedingungen bieten heimische Geschäfte den Online-Händlern mit Service die Stirn.

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45.000 Packerl fliegen täglich aus China in die EU. 90 Prozent sind weniger wert als 22 Euro und somit von der Mehrwertsteuer befreit, also billiger. „Diese Ungerechtigkeit soll sofort abgeschafft werden“, fordert Franz Kirnbauer, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, was die Regierung bereits versprochen hat.

Die Wettbewerbsverzerrung zwischen stationärem und Online-Handel ist es auch, die heimische Kaufleute ärgert. Immerhin zahlen Amazon & Co. im Gegensatz zu ansässigen Unternehmen de facto kaum Ertragssteuer. Grundsätzlich sind die lokalen Geschäfte aber auf die digitale Transformation vorbereitet. So sieht Georg Antauer, Geschäftsführer von Leder Hausmann, den Online-Handel als Herausforderung, „die wir stemmen können“. Antauer hat in seinen Betrieben auf das geänderte Kaufverhalten reagiert: „Wir verzichten auf Marken, die überall offeriert werden, bieten mehr Nischenprodukte – etwa hochwertige Taschen aus kleinen Manufakturen in Italien.“ Und selbstverständlich setzt Georg Antauer auf Service: „Wir reparieren gerne, aber nur, wenn der Kunde mit Rechnung nachweisen kann, dass er den Koffer oder die Tasche nicht bei einem internationalen Online-Händler gekauft hat.“

Vertrauen, Service und Beratung, darauf setzt auch Daniela Kittel, Geschäftsführerin von Juwelier Dunky und Obmann-Stellvertreterin der Plattform STP 2020: „Wir nehmen den Kunden Wege ab, bringen Kette, Armband oder Uhr in die gewünschte Filiale, wo das Schmuckstück angeschaut und anprobiert werden kann, sorgen so für ein Einkaufserlebnis“, freut sich Kittel über Kontakt zu ihren Stammkunden.

Popup-Stores für neue Anbieter

Einkaufserlebnis verspricht auch Möbelhändler Kika/Leiner. „Der Besuch in unseren Einrichtungshäusern bietet ein haptisches Erlebnis für die ganze Familie“, verspricht Geschäftsführer Reinhold Gütebier, dem professionelle Beratung sehr wichtig ist. „Nur so können wir auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden eingehen und deren Wohnträume erfüllen.“

Dass sie Arbeitsplätze in der Stadt sichern, betonen alle Händler. Für attraktive Rahmenbedingungen im stationären Handel möchten Stadtverwaltung und Marketing St. Pölten sorgen. „Eine Innenstadt als Arbeitsstätte und Wohnlage steigert die Nachfrage nach Angeboten der lokalen Unternehmen“, setzt Marketing-Geschäftsführer Matthias Weiländer auf das generelle Wachstum, um den Handel zu fördern. Um das Angebot zu erweitern, sollen bald auch neue Popup-Stores in der Altstadt aufsperren. „Damit wollen wir bei neuen Interessenten die Stärken der Innenstadt ausspielen“, so Weiländer.

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