Heiße Phase für Kulturhauptstadt-Bewerbung. Rund zwei Monate vor der Entscheidung über die Kulturhauptstadt Europas 2024 befindet sich das Team aus St. Pölten in der heißen Phase der Bewerbung.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 07. September 2019 (05:01)
manfredxy/Shutterstock.com
Der St. Pöltner Rathausplatz

Derzeit wird das "Bid Book 2" finalisiert, sagten Geschäftsführer Michael Duscher und Projektleiter Jakob Redl im APA-Interview. "Brachliegenden Orten" soll neues Leben eingehaucht werden. Als einziger Neubau ist ein "KinderKunstLabor" geplant.

Neben der niederösterreichischen Landeshauptstadt sind Dornbirn und das Salzkammergut - mit Bad Ischl an der Spitze - im Rennen. Die Bewerbungsschrift für die endgültige Entscheidung, das "Bid Book 2" mit maximal 100 Seiten, muss bis 13. Oktober abgegeben werden. Am 9. November kommt die EU-Jury nach St. Pölten zu Besuch, zwei Tage später findet die Präsentation in Wien statt.

Die Entscheidung der Jury wird am 12. November bekanntgegeben. Parallel zu den Vorbereitungen der Unterlagen werden konkrete Projekte und das künstlerische und kulturelle Programm erarbeitet, berichteten Duscher und Redl.

"Wollen Freiräume bewusst mit Kultur bespielen"

"St. Pölten ist in einem positiven Sinn unfertig. Es gibt sehr viele Freiräume, und diese wollen wir ganz bewusst mit Kultur bespielen und damit positiv aufladen", sagte Duscher, operativer Geschäftsführer der NÖ Kulturlandeshauptstadt St. Pölten GmbH. Eine neue Bedeutung bekommen sollen Orte, an denen "die ursprüngliche Nutzung nicht mehr vorhanden ist, und vielleicht muss man manchen Orten auch ihre Würde zurückgeben", erklärte Duscher.

Beispielsweise soll der Klangturm im Regierungsviertel wieder genutzt werden. Der Domplatz soll 2024 "uneingeschränkt" bespielt werden können, das Glanzstoff-Areal fließe ebenfalls in die Überlegungen ein. "Es gibt noch viele weitere spannende Orte, an die man gar nicht denken würde", meinte Duscher, der noch keine näheren Details verraten wollte.

KinderKunstLabor geplant

Bei der Infrastruktur liege der Fokus auf Bestehendem, so soll etwa die ehemalige Synagoge renoviert und adaptiert werden. Neu errichtet werden soll um etwa zwölf Millionen Euro ein "KinderKunstLabor" - ein "konsequent aus Kinderperspektive gedachter Ort". Ermöglicht werden soll die Begegnung von Kindern bis zwölf Jahren mit Künstlerinnen und Künstlern, weiters soll die Einrichtung als Kompetenzzentrum für Kinderkultur in Niederösterreich und als zentrale Informations- und Beratungsstelle fungieren.

Ein Standort ist noch nicht fixiert, zur Auswahl steht etwa der Altoona-Park. Das "KinderKunstLabor" soll "auf jeden Fall kommen" - egal ob St. Pölten den Zuschlag erhält oder nicht, so Duscher.

Mehr als 300 Projektideen eingereicht

Die Bewerbung zeichne ihr "partizipativer und breiter" Zugang aus, sagte der Geschäftsführer: "Wir haben nie einen Alleingang gemacht, sondern versucht, möglichst viele Menschen zu involvieren." Nach einem Aufruf wurden mehr als 300 Projektideen eingereicht. Sie bilden neben den mit dem künstlerischen Projektentwicklungs-Team konzipierten Eigenproduktionen die Basis für das Programm im zweiten Bewerbungsbuch - geplant seien selbstverständlich auch kostenlose Open-Air-Veranstaltungen.

An Vorprojekten nannte Redl "Media in transit" mit der FH St. Pölten und Interventionen im öffentlichen Raum mit der New Design University, aber auch Projekte mit der lokalen Szene. Außerdem werden am 16., 23. und 30. September gemeinsam mit dem Zentrum für Migrationsforschung Spaziergänge unter dem Motto "Migration findet Stadt" organisiert. Mit der Plattform "KulturhauptSTART St. Pölten" wird am 21. September das Fest "Stadtlandfluss" beim Landhaus an der Traisen veranstaltet.

Zuhause mit Europa verbinden

Der Grundzugang der Bewerbung lautet "Europa daheim - Rescaling distances" in Bezug auf zeitliche, soziale und räumliche Dimensionen. "Wir wollen zuhause mit Europa verbinden. Wir wollen Distanzen verringern und überwinden", erklärte Redl. Es gehe um "Kunst und Kultur als Motor und Experimentierfeld für neue Ansätze im Zusammenleben bis hin zu Fragen in Bezug auf Mobilität und Wohnen".

Die "Kulturhauptstadt-Region" zwischen Melk, Krems, Lilienfeld und Neulengbach soll zu einer kulturtouristischen Region werden. Der Titel Kulturhauptstadt Europas könne "zu einer Stärkung der zentralen Region" in Niederösterreich mit Mittelpunkt St. Pölten führen, sagte Duscher.

Das Land Niederösterreich und die Stadt St. Pölten haben jeweils 17,83 Millionen Euro an Förderung für das insgesamt 60 Millionen Euro betragende Betriebs- und Programmbudget der möglichen Kulturhauptstadt Europas "St. Pölten 2024" beschlossen. Darüber hinaus wurden für den Fall der Ernennung Kulturinfrastrukturprojekte mit 36 Millionen Euro Gesamtkosten genehmigt.