Kranführer über Karmeliterhof: Arbeit in 65 Metern Höhe. Walter Rötzer hat den höchsten Arbeitsplatz der Innenstadt.

Von Thomas Werth. Erstellt am 13. November 2019 (06:54)
Eine traumhafte Aussicht bietet sich Walter Rötzer von seinem 65 Meter hohen Kran aus hinter dem zehn Meter niedrigeren Kollegen. Zeit zum Genießen hat er aber nur wenig. 
Strabag, Thomas Werth

Niemand kommt in der St. Pöltner City aktuell höher hinaus als Walter Rötzer. Der 55-Jährige aus Hürm sitzt nämlich am 65 Meter hohen Kran über der Karmeliterhof-Baustelle. Rund 15 Minuten benötigt er, bis er ganz oben ist. „Da überlegt man sich in der Früh schon ganz genau, ob man alles Wichtige im Rucksack hat“, erzählt Rötzer. Zeit, die traumhafte Aussicht zu genießen, hat der 55-Jährige kaum. „Zu Beginn der Baustelle, wenn noch nicht viel los ist, kann man schon mal in die Ferne blicken. Ich weiß immerhin, dass am Ötscher schon Schnee liegt.“

Mit dem Kran transportiert er alles, was zu schwer zum Tragen ist. „Eisen, Beton, Steher – was gerade anfällt.“ Routine bringt der 55-Jährige reichlich mit. Fast 30 Jahre ist er bereits Kranführer. In St. Pölten hat er beispielsweise am Haus B und am Haus C des Universitätsklinikums und an Wohnprojekten in der Eybner straße und der Schneckgasse gearbeitet.

„Wenn nicht viel los ist, kann man schon mal in die Ferne blicken. Ich weiß immerhin, dass am Ötscher schon Schnee liegt.“ Walter Rötzer, Kranführer

Die meisten Probleme in 65 Metern Höhe bereitet der Wind und damit einhergehend das Pendeln des Transportguts. „Ab 72 km/h ist Schluss, bei großer Angriffsfläche schon früher“, erklärt Rötzer. Zu einem Problem werden kann auch der Toilettengang. Für die Entleerung der Blase gibt es eine Flasche in der Kabine. „Der Rest sollte während der Arbeit nicht passieren. Man sollte jedenfalls keine Krautsuppe am Vortag essen“, scherzt Rötzer.

Mehr Sorgen als um seine Verdauung macht sich Rötzer um den Kranführer-Nachwuchs. „Es sind nur wenige Junge in Sicht. Vielleicht, weil es ein sehr stressiger Job ist, wenn die Baustelle voll angelaufen ist.“