Nachwuchssorgen: Kinderärzte sind überlaufen. Nach Pensionierung sind nur zwei von drei Kassenstellen in der Stadt besetzt.

Von Mario Kern. Erstellt am 15. Januar 2019 (04:29)
shutterstock.com/Africa Studio
Zahlreiche Eltern suchen derzeit für ihre Sprösslinge einen Kinderarzt. Außer Neugeborene können die St. Pöltner Ärzte aber kaum neue Patienten annehmen.

Eine noch größere Herausforderung ist im noch jungen Jahr die Suche nach einem verfügbaren Kinderfacharzt geworden. Schon vor dem Jahreswechsel konnten die drei Kassenärzte und drei Wahlärzte kaum noch neue Patienten aufnehmen – diese Situation hat sich mit der Pensionierung von Jitka Martinek zu Jahresbeginn noch verschlimmert. Dazu kommt, dass auch Eltern aus Bezirken mit einem ähnlichen Mangel wie Baden und Lilienfeld bei St. Pöltner Kinderärzten Schlange stehen.

Robert Artmann, einer der beiden verbleibenden Kinderfachärzte mit Kassenvertrag, nimmt als zusätzliche Patienten nur mehr Neugeborene an. „Die Größeren müssen zum Praktischen Arzt. Bei einer Woche mit mehr als 50 Arbeitsstunden ist das nicht anders möglich.“ Die aktuelle Unterbesetzung der Kassenstellen sei besonders prekär, weil Martinek die größte Ordination hatte – trotz zweimaliger Ausschreibung hat sich bislang kein Nachfolger gefunden. Eine Lösung müsse rasch gefunden werden, betont Artmann. „Bis die Engstelle überwunden ist, könnte die Kinderabteilung des Universitätsklinikums Vollversorgung anbieten“, schlägt er vor.

„Wir verzeichnen deutlich erhöhte Frequenzen in der Akut- und Basisversorgung"

Im Spital spüren die Ärzte den Kinderärztemangel bereits deutlich: „Wir verzeichnen deutlich erhöhte Frequenzen in der Akut- und Basisversorgung und bekommen vermehrt Anfragen für Untersuchungen, die in die Zuständigkeit nieder gelassener Ärzte fallen“, weiß Sprecher Thomas
Wallner. Die Klinik könne diese Untersuchungen aber nicht übernehmen, betont Wallner.

Einen Grund für die Nachwuchsprobleme sieht der Fachgruppenvertreter in der Ärztekammer Robert Weinzettel in der Unattraktivität der Kassen-Stellen: „Einerseits bleibt wenig über und andererseits fühlen sich junge potenzielle Anwärter im Spital besser aufgehoben.“ Das Problem gebe es in ganz Niederösterreich, so Weinzettel. Er sieht die Politik gefordert, den Beruf finanziell und fachlich aufzuwerten.

Die Gebietskrankenkasse arbeitet „mit Hochdruck an einer Lösung“, stellt NÖGKK-Sprecherin Barbara Mann nach Beschwerden von Eltern eine Verbesserung der Situation in Aussicht. „Wir schreiben die Stelle nochmals aus“, betont Mann. Eine Anhebung der Honorare für Kinderfachärzte sei außerdem Ende 2018 beschlossen worden. „Zudem arbeiten wir aktuell daran, in der St. Pöltner Primärversorgungseinheit Kinderärzte einzubinden.“