Neue Plattform: „Politik lässt uns Bauern verdursten“. St. Pöltner Landwirte fordern die Förderung heimischer Lebensmittel und ein CO -Fußabdruck-Pickerl auf allen Produkten.

Von Beate Steiner. Erstellt am 12. Mai 2020 (16:51)
Georg Reinl in seinem Bio-Obstgarten in Witzendorf.
Steiner

„Jetzt in der Krise ist die richtige Zeit zu handeln, damit wir überleben“, sagte sich Landwirt Georg Reinl aus Witzendorf und gründete mit sechs Kollegen die Plattform „Rettung der Landwirtschaft“. 50.000 Landwirte seien in den letzten drei Jahrzehnten aus Österreichs Ländern und der Wirtschaft verschwunden, „und es werden immer mehr. Wie will die Republik die in §5 der Bundesverfassung festgelegte Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln ohne Bauern nachkommen?“

Einer der Gründe des Bauernsterbens: Landwirt sein lohnt sich nicht mehr. Während landwirtschaftliche Betriebe von Handelsketten für manche Produkte Preise wie in den 1970er-Jahren bekämen, hätten sich die Kosten und Abgaben verdreifacht. „Die Politik lässt uns verdursten, wie unsere Böden“, meint Reinl. Für den Landwirt ist die Abhängigkeit von anderen Ländern gefährlich, „und es ist ein Irrsinn, Lebensmittel um den ganzen Globus zu transportieren und damit der Umwelt zu schaden“.

Die Landwirte-Plattform hat daher Forderungen für ein neues Umwelt- und Bauern-freundliches System formuliert: Wo Österreich draufsteht, müsse zu hundert Prozent Österreich drin sein. Die Steuer auf österreichische Lebensmittel sollte halbiert werden. Die Handelsketten sollten österreichische Erzeugnisse deutlich kennzeichnen und ersichtlich aufstellen. Landwirtschaftliche Produkte sollten vom Freihandel ausgenommen werden. Und alle Produkte sollten mit einem CO -Fußabdruck-Pickerl markiert werden.

Von Traktoren-Demos wie im Februar als Nachdruck für seine Vorschläge hält Reinl wenig: „Ich setze auf Gespräche – und freu‘ mich, wenn sie zustandekommen.“